Sarah Mullally

Sarah Mullally, neue Erzbischöfin von Canterbury und oberste geistliche Instanz der Anglikanischen Weltgemeinschaft, erfährt immer mehr Widerstand von Seiten konservativer und traditionalistischer Kreise – weil sie eine Frau ist. In afrikanischen Provinzen spricht man sogar schon von einer Kirchenspaltung, einem Schisma. Dort planen Mitgliedsbischöfe und -kirchen der konservativen Global Anglican Future Conference (Gafcon) sogar die Wahl eines eigenen Kirchenoberhaupts. So berichtet es die BBC.
Zwar weiht die Anglikanische Kirche bereits seit 1994 Frauen zu Priesterinnen, es gibt im britischen Mutterland auch Bischöfinnen – Mullally selbst war zuletzt Oberhirtin von London –, aber der Widerstand dagegen ist in konservativen Kreisen ungebrochen, nicht nur in Afrika. Bischöfe haben – und nutzen – bis heute das Recht, Frauen die Ordination zu verweigern.
Neben ihrem Geschlecht wird der 64–jährigen Theologin Mullally angelastet, dass sie die Segnung homosexueller Paare befürwortet (bei vielen anglikanischen Kirchen ist diese Entwicklung wegen interner Proteste steckengeblieben), und dass sie als Bischöfin von London keine gute Figur bei der Aufklärung von sexuellem Missbrauch gemacht habe. Ihr Vorgänger als Erzbischof von Canterbury, Justin Welby, war wegen der gleichen Beschuldigungen vor einem Jahr zurückgetreten. Seither war die Stelle verwaist. Mullally hat jetzt ein »höheres Engagement« gegen Missbrauch versprochen. Nach der formellen Bestätigung ihrer Wahl Ende Januar soll sie Mitte März nun auch ganz zeremoniell in ihre geistliche Vollmacht eingesetzt werden.




Personen und Konflikte