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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2020
»Die Zeit läuft uns weg«
Ein Gespräch mit Georg Bätzing
Der Inhalt:

Billig-Fleisch ist ein Skandal

von Andrea Teupke vom 29.05.2020
Ja, Fleisch muss teurer werden. Aber dafür braucht es keinen Mindestpreis, sondern strengere Regeln für Tierwohl und Arbeitsschutz
Freut sich das Bentheimer Schwein, schmeckt seine spätere Existenzform als Wurst um so besser (Foto: istockphoto/gebut)
Freut sich das Bentheimer Schwein, schmeckt seine spätere Existenzform als Wurst um so besser (Foto: istockphoto/gebut)

»Fleisch ist ein Stück Lebenskraft« – wie lange ist es her, dass man diesen Werbeslogan noch lustig fand? Seitdem hat sich viel verändert. Vegetarier gelten längst nicht mehr als blasse Sonderlinge. Gastronomie und Handel haben sich umgestellt und bieten leckere Alternativen zu Schnitzel und Co. Und jeder neue Skandal gibt denen recht, die ganz auf tierische Produkte verzichten: Weil sie weniger Leid verursachen. Weil sie das Klima weniger belasten. Und weil sie für ihren Genuss nicht darauf angewiesen sind, dass andere die Drecksarbeit für sie übernehmen, konkret: Im Akkord Tiere schlachten – miserabel bezahlt und unter menschenunwürdigen Bedingungen.

Und jetzt auch noch Corona (vgl. Seite 24)! Hat also Grünen-Chef Robert Habeck recht, wenn er nach den erschreckenden Infektionszahlen in nordrhein-westfälischen Schlachthöfen fordert, die Fleischpreise zu erhöhen? Nicht ganz, denn so einfach lässt sich das Problem nicht lösen. Im Gegenteil: Pauschal die Preise zu erhöhen wäre ein Geschenk an alle Billigproduzenten. Denn auch die würden höhere Gewinne selbstverständlich gerne einstreichen!

Tatsächlich lässt sich billiges Fleisch – da hat Habeck recht – nur auf Kosten von Umwelt, Tier und Mensch produzieren. Trotzdem haben es die Lobbyisten der Fleischindustrie bislang noch nach jedem Skandal geschafft, höhere Standards zu verhindern. Doch wenn es den Grünen jetzt gelingt, endlich strengere Regelungen sowohl für die Tierhaltung als auch für den Arbeitsschutz durchzusetzen, werden die Fleischpreise ganz automatisch steigen.

Und das müssten nicht mal Fleischesser bedauern: Lieber nur einmal in der Woche leckeren Braten essen – und den dann ohne schlechtes Gewissen genießen können

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