Georg Bätzing

Georg Bätzing, scheidender Vorsitzender der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, appelliert gemeinsam mit drei weiteren Bischofskonferenz-Vorsitzenden an die Gläubigen, sich für ein geeintes, solidarisches und weltoffenes Europa einzusetzen. »Die Welt braucht Europa«, heißt es in der Erklärung »Christen für Europa«, über die die Süddeutsche Zeitung zuerst berichtet hat. Unterzeichnet haben den Text die Kardinäle Matteo Zuppi (Italien) und Jean-Marc Aveline (Frankreich) sowie – neben Bischof Bätzing – der polnische Erzbischof Tadeusz Wojda. Dass mehrere nationale Bischofskonferenzen in dieser Form koordiniert auftreten, ist neu – und Ausdruck wachsender Sorge über die weltpolitische Lage.
»Wir leben in einer Welt, die von Kriegen und Gewalt zerrissen und polarisiert ist. Viele unserer Mitbürger sind verängstigt und orientierungslos. Die internationale Ordnung wird untergraben«, schreiben die Bischöfe. Europa müsse in dieser Situation »seine Seele wiederfinden«, um einen Beitrag zum Gemeinwohl leisten zu können. Der Kontinent sei mehr als ein Wirtschafts- und Finanzmarkt. Seine Wurzeln lägen auch im Christentum. Dieses habe »das Gesicht eines humanistischen, solidarischen und weltoffenen Europas« geprägt.
Erinnern wollen die Bischöfe an die »christlichen Gründerväter Europas«: Robert Schuman, Konrad Adenauer und Alcide De Gasperi. Sie seien »keine naiven Träumer, sondern Architekten eines großartigen, aber zerbrechlichen Bauwerks« gewesen. Der Zweite Weltkrieg habe sie vor der »Versuchung totalitärer Regime« gewarnt, deren Ziel nationalistischer Machtpolitik stets der Krieg sei. Auch an die heutige Politik richten die Geistlichen Erwartungen. Europa müsse Versöhnung und Frieden suchen und dürfe sich nicht auf ökonomische Interessen reduzieren. Der Krieg gegen die Ukraine habe die Europäer wieder näher zusammengebracht – daran gelte es anzuknüpfen, trotz wachsender Euroskepsis. Mit Papst Franziskus warnen die Bischöfe: »Ein internationaler Rahmen stirbt, und ein neuer ist noch nicht geboren.«




Personen und Konflikte