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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2018
Der Kampf um den Sand
Die Gier nach dem Rohstoff bedroht Mensch und Umwelt
Der Inhalt:

»Wir brauchen eine neue APO«

von Eva-Maria Lerch vom 21.03.2018
Sie kam aus den USA, wollte die Frage nach Gott klären und verliebte sich in Rudi, den Studentenführer. Ein Gespräch mit Gretchen Dutschke über Glaube, Liebe und die Dringlichkeit einer neuen außerparlamentarischen Opposition
Sie verliebte sich in Rudi, den Studentenführer. Dann wurde er erschossen. Das ist 50 Jahre her. Gretchen Dutschke (Foto) hat trotzdem nichts vergessen. Sie sagt: »Wir brauchen eine neue APO.« (Foto: pa/Fischer)
Sie verliebte sich in Rudi, den Studentenführer. Dann wurde er erschossen. Das ist 50 Jahre her. Gretchen Dutschke (Foto) hat trotzdem nichts vergessen. Sie sagt: »Wir brauchen eine neue APO.« (Foto: pa/Fischer)

Publik-Forum: Frau Dutschke, Sie stammen aus Illinois in den USA. Wie sind Sie eigentlich nach Deutschland gekommen?

Gretchen Dutschke: Ich komme aus einer evangelikalen Familie, wir gehörten zu einer kleinen religiösen Gemeinschaft, wie es sie zu Hunderten gibt in den USA. Man durfte nicht rauchen, nicht trinken, keine Karten spielen, nicht ins Kino gehen ... Das Leben war überschattet von der Unsicherheit, ob man ausreichend gerettet war oder die Ewigkeit in der Hölle verbringen müsste. Ich wollte weg aus dieser einschnürenden Enge von Familienmoral und Religion. Ich wollte Philosophie studieren und Deutsch lernen, um Philosophen wie Immanuel Kant im Original lesen zu können. So bin ich 1964 auf einen Frachter nach Europa gestiegen.

Hier in Berlin haben Sie dann den Studentenführer Rudi Dutschke kennengelernt. Wo haben Sie ihn getroffen?

Dutschke: Ich saß zufällig neben ihm, an einem dichtbesetzten Tisch im Café am Steinplatz. Das war in Berlin ein beliebter Treffpunkt für Künstler, Philosophiestudenten, Jungmarxisten – ein buntes Volk, das in gutbürgerlichen Gaststätten nicht so gelitten war. Wir kamen ins Gespräch, redeten immer weiter. Ich denke, es war Liebe auf den ersten Blick. Aber nach ein paar Wochen wollte Rudi sich von mir trennen, weil er im Verhaltenskodex eines russischen Anarchisten gelesen hatte, dass Revolutionäre keine Frauen haben sollten. Er sagte: »Ich bin ein Revolutionär und muss die Revolution machen.« Rudi brachte mich zum Bahnhof Zoo. Wir lagen uns in den Armen und hielten uns noch an den Händen, während der Zug abfuhr. In der Bahn h

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