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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2018
Der Kampf um den Sand
Die Gier nach dem Rohstoff bedroht Mensch und Umwelt
Der Inhalt:

Backpulver für die Zähne

Früher ging man zur Nachbarin oder zur Volkshochschule, wenn man Rat oder Anleitung brauchte, heute schaut man sich ein Video auf »YouTube« an

Wie stricke ich Babysocken? Was tue ich, wenn der Siphon im Bad leckt? Wie lerne ich vor dem Urlaub noch schnell ein paar Brocken Schwedisch? Früher sind wir mit solchen Fragen zu anderen Menschen gegangen. Zur Nachbarin, zur Freundin oder zum Schwiegervater. Wir haben einen Kurs an der Volkshochschule belegt oder sind in die Stadtbücherei gegangen, um Bücher wie »Emaillieren leicht gemacht« auszuleihen. Heute fahren wir den Computer hoch und klicken ein Video auf der Videoplattform YouTube an.

Als ich in der zwölften Klasse war, gab es Andi. Andi konnte eine Bierflasche öffnen – und zwar mit einem Stück Papier. Auf jeder Party bildete sich ein großer Pulk um Andi, um den Trick von ihm zu lernen. Heute braucht man dafür keinen Andi mehr, sondern gibt auf YouTube die Begriffe »Bier« und »Papier« in die Suchmaske ein. Woraufhin sich aus einer bayerischen Kleinstadt Dimi meldet: »Guadn Abend, meine Damen und Herren, heute erkläre ich Ihnen, wie ma a Flasch Bier mitm Stück Papier öffnet …« Dimi ist rührend, wie er da mit Bier und Papier auf einem zerschlissenen Sessel sitzt und vermitteln möchte, »wie der Tiefpunkt einer Party zum Hochpunkt« wird. Wem Dimi zu stoffelig ist, der kann die Sache auch von Nia, Stefan oder Simon (»Hallo, meine Lieben, ich bin’s wieder, euer Simon«) lernen. Aber auf der nächsten Party lässt sich mit solchem Allerweltswissen im Jahr 2017 nicht mehr angeben. Kann ja jeder.

Das Prinzip des unterhaltsamen Lehrvideos ist eigentlich nicht neu: »Bier selbst gebraut. Das ist der Titel unserer heutigen Sendung. Da kann ich nur sagen: Hoch die Tassen und Prost«: So klang das in den 1970er-Jahren beim Fernsehmoderator Jean Pütz und seiner Ho