Sendepause
Ein Flugzeug fällt vom Himmel. Am helllichten Tag und bislang ohne erkennbaren Grund. 150 Menschen kommen dabei ums Leben, darunter zwei Babys und 16 Schüler aus einer Kleinstadt in Westfalen. Das ist eine schreckliche, eine unfassbare Katastrophe. Vor allem, weil sie uns so nahe ist. Weil jede und jeder von uns in der Maschine hätte sitzen können oder jetzt verzweifelt am Düsseldorfer Flughafen stehen und um seine Liebsten trauern könnte. Und weil niemand eine Antwort auf die eine Frage weiß: »Warum?«
Auch wir Journalisten kommen in solchen Situationen an unsere Grenzen. Wir, die wir sonst immer alles erklären können, die immer neue Informationen und Analysen zu allen aktuellen Ereignissen bereitzustellen haben, können den wenigen entsetzlichen Fakten nichts hinzufügen.
Wenn wir es trotzdem versuchen, werden wir zu Voyeuren, die leidende Angehörige ins Licht der Öffentlichkeit zerren, falsche Spekulationen verbreiten, sinnlose Interviews mit ahnungslosen Experten führen und sämtliche früheren Flugzeugunglücke der Weltgeschichte über die Bildschirme jagen. All diese unerträglichen und verzweifelten Bewältigungsversuche waren gestern den ganzen Tag auf allen Kanälen in Endlosschleife zu verfolgen.
Auch wir, die Redakteurinnen und Redakteure von Publik-Forum, haben uns gestern und heute in professioneller Routine gefragt, was wir zu dem Unglück zu sagen haben. Und stellen fest: Nichts. Wir können nur mitleiden und schweigen.
In den nächsten Tagen und Wochen, wenn die Opfer des Flugzeugabsturz aus den Alpen geborgen und bestattet sind, mag dies der Anlass einer fälligen Debatte über die Ethik der Medien sein: Wie können wir, die Journalisten, angemessen über solche Katastrophen berichten? In welchen Formen kann unsere Gesellschaft die Opfer würdigen und gemeinsam mittrauern?
Für heute aber müssen auch wir erst einmal bekennen, dass wir sprachlos sind. Dass wir die Katastrophe nicht erklären können. Und auf Sendepause gehen.
