Kunsthaus Zürich
Sehnsucht, Schmerz und Lebensfreude in XXL

Ausstellung. Kerry James Marshall malt große bunte Szenen aus dem Alltag Schwarzer Menschen: das Feiern im Club, den Trubel in einem Friseursalon, Familien im Park. Alles ist genau beobachtet. Gleichzeitig mischt er Stile – realistische Malerei, Comic-Elemente, Schriftzüge. Der afroamerikanische Künstler malt Emanzipationsmomente Schwarzer Geschichte genauso wie das alltägliche Leben.
In seinen Bildern stehen ausschließlich Schwarze Figuren im Mittelpunkt – bewusst tiefschwarz gemalt. Es geht ihm nicht um realistische Hautfarben, sondern um den politischen Begriff des Schwarzseins. Und doch bestehen die Figuren aus vielen verschiedenen Schwarz-Tönen: »Ich versuche, die schwarzen Farben, die ich verwende, ebenso komplex zu machen wie jede andere Farbe auf der Palette«, sagt Marshall dazu.
Marshalls Bilder sind monumental wie Historiengemälde. Er kennt sich gut aus mit der Bildsprache der großen Meister westlicher Kunst – und verbindet sie mit den Lebenserfahrungen Schwarzer Gemeinschaften, die in Museen traditionell unterrepräsentiert sind. Seine Gemälde sind gleichzeitig leicht zugänglich und vielschichtig. Man erkennt sofort Szenen und Figuren – und merkt beim genaueren Hinsehen, wie viele Anspielungen darin stecken: In den Details wimmelt es von politischen Statements, kunsthistorischen Referenzen, Bezügen zur Bürgerrechtsbewegung und zu Schwarzer Geschichte.
Doch man muss das nicht alles wissen. Die Bilder bieten so viel an, dass wohl alle etwas darin finden, was Resonanz erzeugt. Und das ist ein guter Ausgangspunkt. Kunstwerke »bringen Menschen nicht dazu, etwas zu tun«, sagt Marshall. »Aber sie pflanzen Fragen in den Kopf der Betrachtenden, die ihnen vorher vielleicht nie in den Sinn gekommen sind.« Nicht zuletzt sind Marshalls Bilder einfach wunderschön. Die Ausstellung »The Histories« war bereits in London zu sehen. Nun macht sie Station im Kunsthaus Zürich, bevor sie weiter nach Paris reist.
»Kerry James Marshall: The Histories I Geschichte(n)« ist bis zum 16. August im Kunsthaus Zürich zu sehen




