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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2020
Der Statthalter
Die Macht des Rainer Maria Woelki
Der Inhalt:

Rechnet sich das?

vom 17.10.2020
: Unsere Kolumnistin Katharina Müller-Güldemeister fragt sich oft, ob sie Dinge wirklich kaufen soll. Selbst wenn sie sich in Schuhe verliebt
Was sind die schönsten Schuhe der Welt wert? (Foto: istockphoto/penguenstok)
Was sind die schönsten Schuhe der Welt wert? (Foto: istockphoto/penguenstok)

Vor anderthalb Jahren brauchte ich neue Schuhe. Stundenlang bin ich durch Geschäfte mäandert, habe die Regale in meiner Größe gescannt und mich schließlich in Halbstiefel aus Italien verliebt, die auch noch passten, als wären sie für mich gemacht. Sie waren hervorragend verarbeitet, schlicht, elegant und mit flachem Absatz. Das ist mir wichtig, denn ich gehe gern und viel zu Fuß. Leider kosteten sie 370 Euro. So viel Geld hatte ich noch nie für Schuhe ausgegeben. Meine Freunde auch nicht.

Als Schülerin habe ich mir immer ausgerechnet, wie lange ich für was arbeiten muss. Für einen Latte macchiato musste ich zwanzig Minuten putzen und für meine erste Spiegelreflexkamera mehrere Monate. Bis ich sie mir kaufte, hatte ich mich viele Stunden beraten lassen und war etliche Male zum Fotoladen gefahren, um sie mir in der Vitrine anzuschauen.

Irgendwann habe ich aufgehört, Kaffees und Kameras in Arbeitszeit umzurechnen. Mit diesen Schuhen im Kopf begann ich allerdings wieder, solche Gleichungen aufzustellen. Das Fahrrad, mit dem ich 2016 nach Teheran gefahren bin und das ich jetzt immer noch im Alltag nutze, hat nur dreieinhalb mal so viel gekostet wie dieses Paar Stiefel. Da schien mir der Preis für die Schuhe unverhältnismäßig hoch. Mein letzter Kneipenbesuch belief sich dagegen auf ein Fünfundzwanzigstel der Schuhe. Dafür, dass sie mich viele Jahre und Kilometer durchs Leben tragen würden, fand ich das im Verhältnis gar nicht mehr so viel.

Wie oft gibt man Geld aus, ohne groß darüber nachzudenken? Hier ein Coffee to go, der nicht hätte sein müssen. Dort ein belegtes Brötchen, obwohl man sich auch Proviant von zu Hause hätte mitnehmen können. Wenn ich in Shoppinglaune bin – wa

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