Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2020
Der Statthalter
Die Macht des Rainer Maria Woelki
Der Inhalt:

Wie sieht ein Leben ohne Freiheit aus?

von Markus Dobstadt vom 09.10.2020
Vorgespräch: Fragen an die Kuratorin Isabel Dzierson zur Ausstellung »Im Gefängnis« im Deutschen Hygiene-Museum Dresden

Publik-Forum: Frau Dzierson, Sie zeigen die Ausstellung »Im Gefängnis. Vom Entzug der Freiheit«. Was ist dort zu sehen?

Isabel Dzierson: Gegenstände aus dem Alltag in der Haft, etwa ein Schachspiel aus Seife. Oder der Pizzaofen, den sich der RAF-Häftling Jan-Carl Raspe aus einer Keksdose gemacht hat, auch selbst gebaute Waffen oder Ausbruchswerkzeuge. Anhand von Fotos und Szenen aus Dokumentationsfilmen zeigen wir den Alltag in europäischen Gefängnissen. Es kommen auch Angestellte und Experten zu Wort.

Schaffen Gefangene auch Kunst?

Dzierson: Ja, zu sehen sind zum Beispiel kleine Skulpturen oder ein ikonenartiges Bild in einer Tomatenmarkdose. Architekturstudenten haben zusammen mit Häftlingen ein paar Hocker umgestaltet, sie wirken nun zerbrochen, verrottet oder haben scheinbar Blutspuren. Andere Inhaftierte haben ein Buch für ihre Kinder gemacht, um ihnen die Angst vor dem Gefängnis zu nehmen. In einem Raum können Besucher Musik von Häftlingen hören, Spielfilme ansehen oder Bücher zum Thema Gefängnis lesen.

Kommen Besucher und Häftlinge dabei in Kontakt?

Dzierson: Ja, ehemalige Gefangene führen durch die Ausstellung. Und über eine Webseite (www. knastpost.dhmd.digital) kann man an Häftlinge in Chemnitz und Zeithain Fragen stellen. Einmal im Monat kann man mit ihnen auch skypen.

Was macht die Haft mit Menschen?

Dzierson: Dieser Moment, dass man seine Freiheit verliert, ist gravierend. Häftlinge können nicht entscheiden, wann sie aufstehen, wie sie den Tag gestalten, alles ist geregelt. Der eine kommt damit besser zurecht als der andere, aber es verändert jeden.

Seit wann gibt es das moderne Gefängnis?

Dzierson: Es wurde nach der Französischen Revolution eingeführt. Die Grundidee war, Straftäter wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Zuvor wurden sie nur gezüchtigt und in Kerker gesperrt.

Stellt die Ausstellung den Sinn der Gefängnisse in Zweifel?

Dzierson: Wir animieren die Besucherinnen und Besucher dazu, darüber nachzudenken, dass das Gefängnis Teil unserer Gesellschaft ist. Und wir werfen Fragen auf: Warum strafen? Könnte die

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen