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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2019
Was ist heilig?
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Kathrins Kampf

von Karl Grünberg vom 22.06.2019
Chemotherapie, Brustamputation, Angst vor dem Tod: Die Bloggerin Kathrin Lubig beschreibt ihre Krebserkrankung für alle sichtbar im Internet. Diese Art der Bewältigung nimmt ihr das Gefühl von Ohnmacht – und hilft auch anderen
Kathrin Lubig  hat Krebs, aber sie will noch etwas von diesem Leben, sie will, dass es weitergeht.  (Foto: Grünberg)
Kathrin Lubig hat Krebs, aber sie will noch etwas von diesem Leben, sie will, dass es weitergeht. (Foto: Grünberg)

Die Wörter Tod und Sterben kommen ihr so laut von den Lippen, dass die Gespräche an den anderen Tischen verstummen. Kathrin Lubig, 34 Jahre alt, sitzt in ihrem Lieblingscafé, gleich hinter dem Marktplatz in Greifswald, trinkt einen Cappuccino und isst einen Zitronen-Käsekuchen, denn heute ist Dienstag, ihr Genusstag. Es ist ein Genuss, den sie sich verordnet hat, den sie braucht, als Belohnung für ihren Ärzte- und Untersuchungsmarathon. Am Mittelfinger ihrer rechten Hand klebt noch das Pflaster von der Blutuntersuchung. Großes Blutbild, kleines Blutbild, so wird es weitergehen, im Zwei-Wochen-Rhythmus, bis es nicht mehr weitergeht. Doch Kathrin Lubig will, dass es weitergeht, will noch etwas von diesem Leben. Egal, wie lange dieses Weitergehen dauern wird, ein Jahr, fünf Jahre, zehn Jahre oder mehr – genaue Prognosen gibt es nicht.

Kathrin Lubig hatte Brustkrebs. Ihre linke Brust wurde ihr abgenommen, in die rechte Brust vorsorglich ein Implantat eingesetzt. Sie hat Metastasen in den Knochen. All das kann man von ihr wissen, ohne sie gesehen oder mit ihr gesprochen zu haben. Denn Kathrin Lubig schreibt im Internet über ihre Krebserkrankung (https://onkobitch.wordpress.com).

Ein paar Tage nach einem katastrophalen Auftritt ihrer Frauenärztin hat sie damit angefangen. Im Juni 2015 war das. Die Ärztin tastete ihre Brust ab: »Sie haben da etwas. Das muss raus«, sagte sie plötzlich und lief ohne weitere Erklärungen aus dem Behandlungszimmer. Zurück blieb eine weinende, aufgelöste Kathrin. Wie empört sie über die Ärztin war, merkte sie erst, als sie das Erlebte

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