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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2019
Was ist heilig?
Der Inhalt:

Im Todestrakt

In Japan ist die Todesstrafe immer noch nicht abgeschafft. Der japanische Regisseur Dai Sako hat nun einen Spielfilm über das Tabuthema gedreht: »The Chaplain« zeigt einen christlichen Geistlichen, der Häftlinge im Todestrakt begleitet

Publik-Forum: Herr Sako, Ihr Film »The Chaplain« handelt von einem Gefängnisseelsorger, der Häftlinge im Todestrakt betreut. Wie kamen Sie darauf?

Dai Sako: Ich habe für einen anderen Film, in dem es um die Todesstrafe ging, das Drehbuch geschrieben. Als ich dafür recherchierte, merkte ich, dass das ein sehr abartiges System ist. Aber in Japan gibt es das nun mal, und deshalb fand ich, dass man darüber einen Film drehen müsste.

Ihr Film ist ein Kammerspiel: Man sieht fast nur Dialoge zwischen dem Seelsorger und einem der sechs Todeskandidaten …

Sako: Der Vater von einem Bekannten von mir war Gefängnispfarrer. So kam ich darauf, diesen Film ganz auf die Begegnung zwischen zwei Menschen zu fokussieren.

Und warum ist der Protagonist Christ?

Sako: Das werde ich oft gefragt. Ich hatte das Gefühl, wenn es um Themen wie Sünde, Schuld und Strafe geht oder um die Frage, ob man Menschen töten darf, dann sind die Antworten im Christentum am klarsten. Außerdem kenne ich mich im Buddhismus nicht besonders gut aus.

Tatsächlich? Ich dachte, fast alle Japaner wären Buddhisten …

Sako: Ja, unser Land ist vom Buddhismus geprägt. Ich selbst bin kein Buddhist, aber natürlich kenne ich die Bräuche und Gewohnheiten. Doch was er tatsächlich lehrt, weiß ich gar nicht genau. Buddhismus ist bei uns so normal, so alltäglich. Gerade deshalb fand ich das Christentum für den Film interessanter. Außerdem ist der Hauptdarsteller Ren Osugi in Japan sehr berühmt. Ich glaube, die Zuschauer fänden es komisch, ihn in