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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2020
Selbstbestimmt sterben
Sterbefasten – was es für alte Menschen und deren Angehörige bedeutet
Der Inhalt:

Erfahrungswerte

vom 04.10.2020
Kolumne von Anne Lemhöfer: Meine geballte Lebensweisheit kommt bei meinen Kindern einfach nicht an. Wahrscheinlich gehe ich ihnen auf die Nerven. Da schreibe ich für jedes Kind am besten ein kleines Buch ...
Geballte Lebensweisheit in einer Kladde – geht das? (Foto: istockphoto/Nicolas Loran)
Geballte Lebensweisheit in einer Kladde – geht das? (Foto: istockphoto/Nicolas Loran)

Eins der größten Rätsel der Menschheit ist für mich folgendes: Warum nur ist es kaum möglich, die eigene geballte Lebensweisheit an nachfolgende Generationen weiterzugeben? Ob an die eigenen Kinder oder andere Nachgeborene, egal: Irgendwas läuft da schief. Immer wollen alle ihre eigenen Erfahrungen machen, dabei könnte auf der Welt längst alles gut sein. Früher hoffte ich, dass es anders wäre.

Liebe F., lieber R., liebe J., als ich euch drei noch nicht hatte, wusste ich genau, was ich machen würde, so als Mutter. Zum Beispiel: Jedem von euch ein handgeschriebenes Büchlein schenken mit der gesammelten Klugheit meines jahrzehntelangen Daseins auf dieser unperfekten Erde. Vielleicht, so dachte ich, würde ich es euch zum zehnten Geburtstag überreichen, zumindest den ersten Teil. Darin würden Dinge stehen wie: »Im Februar ist es wirklich meistens kalt. Wenn ihr keine Jacke anzieht, dann friert ihr. Ja, die Herdplatte ist heiß. Liebeskummer ist fürchterlich, aber er geht vorbei (fast immer). Bis zum Dreisatz solltet ihr in Mathe gut aufpassen – den Rest braucht ihr fürs Leben wirklich nicht.« Den letzten Teil des Satzes hätte ich dann dick und fett durchgestrichen. Bei manchen Dingen ist es besser, wenn man sie erst zu einem späteren Zeitpunkt im Leben erfährt. Weiter würde zu lesen sein: »Nach dem Dreisatz hatten meine Synapsen abgelehnt, sich im Angesicht von Formeln, Parabeln und Zahlenreihen weiter zu verbinden. Ich habe sie gelassen. Schrieb Fünfer, Sechser, mogelte mich so durch. Ist trotzdem was aus mir geworden. Aber ihr könntet die Sache schlauer angehen: einfach immer so viel lernen, dass es für eine Vier plus reicht. Spart viel Stress, zum Beispiel mit mir.«

Seid ihr noch da? Gehe ich euch

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