Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2023
Der Inhalt:

Kino-Tipp
Eine Taxifahrt wird zur Lektion fürs Leben

von Birgit Roschy vom 07.04.2023
Feelgood-Drama über das Leben einer Frau im zweiten Weltkrieg. Und eine unerwartete Freundschaft
(Foto: Jean-Claude Lother via filmstarts.de)
(Foto: Jean-Claude Lother via filmstarts.de)

Kino. Wer »Willkommen bei den Sch’tis« gesehen hat, dürfte sich an die furchteinflößendste Figur dieser Erfolgskomödie erinnern: die gebieterische Mutter des von Komiker Dany Boon gespielten Postlers. In ihrem vierten Film mit Dany Boon verkörpert die nun 94-Jährige eine sanfte alte Dame, die sich nach einem letzten Blick auf ihr Haus in einem Vorort mit dem Taxi quer durch Paris in ein Seniorenheim chauffieren lässt. Ihr Fahrer Charles ist so gestresst, dass er kaum ein Wort hervorbringt. Doch der liebenswürdigen Madeleine gelingt es, ihn aufzulockern. Spontan bittet sie ihn, einige Stationen aus ihrer Vergangenheit abzufahren. Im Zickzackkurs über die Peripherie, die Seine und durch die Pariser Boulevards entfaltet sich in Madeleines Rückschau ein Leben voll brutaler Kurswechsel, beginnend mit einer großen Liebe, die zu entsetzlichem Kummer führte. So wird ihr verstörter Zuhörer dazu gebracht, seine Existenzängste aus einer anderen Perspektive zu betrachten, sich von der Kurzsichtigkeit der Gegenwart auf die Weitsicht von Madeleine und ihrer Lebenserfahrung einzuschwingen. Das klingt nun potenziell kitschig – doch die Tonart dieses Feelgood-Dramas ist mehr meditativ als sentimental. Obwohl Dany Boon ausnahmsweise nicht den Clown mimt, ist die Handlung nicht ohne Humor. Line Renauds feinfühlige Darstellung des Abschieds vom Leben erzeugt viel Nostalgie. Sie ist nicht nur eine der populärsten französischen Sängerinnen, sondern eine der letzten Zeitzeuginnen des Zweiten Weltkriegs. Als Madeleine verkörpert sie die stille Tragik der durch die Zeitläufte versehrten kleinen Leute und das Unglück der Frauen angesichts der Willkür der Männer. Doch die Zeiten, so die Mut machende Botschaft, änderten sich.

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 07/2023 vom 07.04.2023, Seite 54
Gelitten unter Pontius Pilatus
Gelitten unter Pontius Pilatus
Der verborgene Skandal im Glaubensbekenntnis
Digital-Zugang: 4 Wochen für 1€
Schlagwörter: KinoFilmParis
Kommentare und Leserbriefe
Ihr Kommentar
Noch 1000 Zeichen
Wenn Sie auf "Absenden" klicken, wird Ihr Kommentar ohne weitere Bestätigung an Publik-Forum.de verschickt. Sie erhalten per E-Mail nochmals eine Bestätigung. Der Kommentar wird veröffentlicht, sobald die Redaktion ihn freigeschaltet hat. Auch hierzu erhalten Sie ein E-Mail. Siehe dazu auch Datenschutzerklärung.

Mit Absenden des Kommentars stimmen Sie der Verarbeitung Ihrer Daten zur Bearbeitung des Kommentars zu. Zum Text Ihres Kommentars wird auch Ihr Name gespeichert und veröffentlicht. Die E-Mail-Adresse wird für die Bestätigung der Bearbeitung genutzt. Dieser Einwilligung können Sie jederzeit widersprechen. Senden Sie dazu eine E-Mail an [email protected].

Jeder Artikel kann vom Tag seiner Veröffentlichung an zwei Wochen lang kommentiert werden. Publik-Forum.de behält sich vor, beleidigende, rassistische oder aus anderen Gründen inakzeptabele Beiträge nicht zu publizieren. Siehe dazu auch Netiquette.