Ausstellung: »Barbara Hepworth – Art & Life« in Münster
Eine Ahnung von Harmonie

Ausstellung. Ruhig und erhaben steht die hohe Figur aus dunkel glänzender Bronze im Licht. An vier Stellen ist sie durchbrochen, das macht sie durchlässig. Zarte Drähte führen strahlenförmig von einer Seite zur anderen und treffen einander an einem Punkt in der Mitte. Assoziationen an ein leichtes, ein geflügeltes Wesen kommen beim Betrachten. Zu sehen ist die »Maquette for Winged Figure« (1957) derzeit in der Ausstellung »Barbara Hepworth – Art & Life« in Münster.
Gerundete, harmonische, aus Bronze, Holz und Stein gearbeitete Skulpturen – dafür ist die britische Künstlerin Barbara Hepworth (1903-1975) vor allem bekannt. Ihre berühmte »Single Form« vor dem Gebäude der Vereinten Nationen in New York gehört zu den meistfotografierten Plastiken der Welt. Die Ausstellung in Münster mit rund 90 Exponaten zeigt auch ihre weniger bekannten Arbeiten auf Papier. Sie vermittelt einen profunden Einblick in ihr vielfältiges Schaffen, das sie bereits mit 17 Jahren begann. Gut verständliche Texte, Zitate und Fotografien illustrieren ihren Lebensweg als Künstlerin und zeigen, wie tief die Arbeiten verbunden sind mit ihrem Interesse an Spiritualität und ihrem gesellschaftspolitischen Engagement gegen den Vietnamkrieg und für nukleare Abrüstung.
Ihre Kunst entwickelte sie von der stärker figürlichen Darstellung in jungen Jahren zu abstrakten Formen später im Leben. Besonders eindrucksvoll sind ihre Skulpturen mit zwei Formen, die die zarte Beziehung eines Lebewesens zu einem anderen darstellen. Die ovalen oder kugeligen Formen vermitteln Gesten der Ruhe, lassen an die Beziehung zwischen Mutter und Kind denken. Barbara Hepworth drückt mit ihrer Kunst allgemein menschliche körperliche und emotionale Erfahrungen aus. Ihre Skulpturen versuchen, der Unordnung der Welt eine Ahnung von Ruhe und Harmonie zurückzugeben.
Barbara Hepworth – Art & Life. Bis 8. März im Kunstmuseum Pablo Picasso in Münster



