Die gute Hirtin
Manchmal tut Liebe weh. Die zu Jakob zum Beispiel. Jakob ist einer der Lieblinge von Hilal Sezgin. Doch vor ein paar Tagen hat der Vierhornhammel die rechte Hand seiner Gönnerin eingequetscht. Nun trägt sie einen Verband und kann nicht einmal mehr Texte tippen. Trotzdem begrüßt sie den Hammel mit »Hallo, mein Goldstück«, als Jakob sie von weithin sieht und aufgeregt ans Gatter tippelt. Die einstige Großstadtjournalistin aus Frankfurt läuft in Gummistiefeln und schmuddeliger Fleecejacke über ihren Hof in der Lüneburger Heide und versucht, mit der funktionstüchtig gebliebenen Linken einen provisorischen Zaun zu verstärken. Der soll die frisch geschlüpften Amselküken vor den Katzen schützen. Dann kämpft sie sich mit einer Laubharke den Weg vorbei an den Gänsen frei. Die verteidigen mit langen Hälsen und lautem Gezeter ihr Gelege. Sicher im Stall angekommen, krault sie Jakob, Josh und allen, die es mögen, ausgiebig das Fell. »Da bin ich wieder, meine Süßen«, raunt sie ihren 38 Schafen zu und sagt: »Es ist schon eine Wahnsinnsfreude mit euch.«
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