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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 15/2014
Papst Franziskus und seine Gegner
Der Inhalt:

Kolumne Von Fabian Vogt: Haie und Schlangen

Als wir den Kindern beim Eisessen mitteilten, dass wir dieses Jahr nach Australien fliegen wollen, war die Begeisterung … gebremst. Unsere pubertierende Tochter fragte als Erstes: »Ist das wieder so ein bescheuerter Urlaub mit andauernd rumwandern und vergammelte Kirchen angucken – oder gibt es da endlich mal einen tollen Strand?«

Ihr gern konfrontativer Bruder rief höhnisch: »Das ist eine Insel, du Hohlnudel, da gibt es überall Strand.« »Selbst Hohlnudel!« Bevor der Streit eskalieren konnte, sagte ich väterlich: »Australien hat tatsächlich einige der schönsten Strände der Welt.« Die Miene unserer Tochter hellte sich sichtlich auf. Doch dann warf sie mir einen misstrauischen Blick zu, einen scharfen und sehr misstrauischen Blick: »Leben da Haie?«

Ich zögerte wohl einen Augenblick zu lang. Und es half auch nichts mehr, dass ich pädagogisch wertvoll nachschob: »Das Risiko, dass wir auf dem Weg zum Strand mit dem Auto verunglücken, ist wesentlich größer, als von einem Hai gefressen zu werden.« Meine Frau fügte trocken hinzu: »So, wie Papa fährt, ist die Gefahr sogar sehr viel größer.«

»Ich komm nicht mit.« Unsere Tochter verschränkte die Arme. Und schaute demonstrativ die Wand an. Zum Glück hatte ich mich aber auf diesen dramatischen Moment vorbereitet. So referierte ich lässig: »Im Internet steht, es ist viel wahrscheinlicher, dass man in Australien ertrinkt, von einer Kokosnuss erschlagen, vom Blitz getroffen oder von einem defekten Toaster gegrillt wird – als dass einen ein Hai in die Tiefe zieht.«

Unser Sohn brummte: »Toll. Jetzt habe ich auch Angst. Vor allem vor diesen Killer-Toastern.« Ich stoppte die aufbrandende Diskussion mit meinem ultimativen Trumpf: »Jetzt hört doch endlich mal mit den blöden Haien auf! Das wirklich Gefährliche in Australien sind die sieben Arten giftiger Spinnen und die 25 Arten giftiger Schlangen.«

Jetzt schauten mich drei Menschen entsetzt an. Mit großen Augen. Warum wir trotzdem losflogen, weiß ich bis heute nicht.

In Australien angekommen, rannte meine fürsorgliche Frau sofort in die nächstbeste Apotheke, um ein Breitband-Schlangengift-Antiserum zu besorgen. Was es natürlich nicht gibt. Obwohl einer unserer schweineteuren Reiseführer das vollmundig behauptet.

Der Apotheker lächelte milde, als er die aufsteigende Panik in unser

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