Glaubwürdig ...
Corona und die Rückkehr der Schuld
Das Christentum ist zentral geprägt durch die Botschaft der Entmachtung von Angst vor Krankheit und Schuld. Und genau diese Angst wurde durch die Corona-Krise auch im säkularen Raum in all ihrer Härte und Brutalität spürbar. Besonders bemerkenswert ist das für den Bereich der Sünde und Schuld, weil dieser Bereich in der modernen Rede von Erlösung gerne vernachlässigt wird. Auch ich selbst muss das für mein eigenes theologisches Nachdenken zugeben. Der moderne Mensch schien einfach kein Schuldbewusstsein mehr zu haben. Die auf Schuld und Sünde fokussierte Erlösungsbotschaft der westlichen Christenheit erschien als Angebot ohne Nachfrage, sodass wir in der modernen Theologie kräftig umgerüstet haben. Erlösung wird jetzt weithin in Freiheitskategorien ausgedrückt, ohne das Wort Schuld oder gar Sünde noch in den Mund zu nehmen.
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Klaus von Stosch ist Professor für Katholische Theologie und leitet das Zentrum für Komparative Theologie und Kulturwissenschaften an der Universität Paderborn, wo Christen, Juden und Muslime interreligiös zusammenarbeiten.

