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Albtraum statt Erholung

Bis in die 1970er-Jahre wurden viele Hunderttausend Kinder bei Aufenthalten in Kurheimen misshandelt. Erst jetzt beginnt die Aufarbeitung ihres erlittenen Leids
von Peter Brandhorst vom 26.11.2020
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Die Erinnerungen hätten sie bis heute nie losgelassen, sagt Anna. 59 Jahre alt ist sie inzwischen, »und ich muss irgendwo nur das Wort Amrum hören, schon bekomme ich wieder Beklemmungen«. An die sauer verdorbenen Milchsuppen denkt sie dann, oder an den kleinen Jungen ihr gegenüber im Speisesaal, der seine in den Teller erbrochene Suppe aufessen musste. »Die Erinnerungen hören nicht auf, mich zu quälen«, sagt Anna, wenn sie an ihren Aufenthalt in einem Kinderheim auf Amrum zurückdenkt, damals 1967, als sie erst fünf Jahre alt war. Als sie eine Nacht auf einer Holzbank verbringen musste. In einem Garderobenraum allein im Schlafanzug und ohne Decke. »Reine Demütigungen waren das, kindlicher Wille sollte gebrochen werden«, sagt Anna heute. »Vor diesem Aufenthalt war ich ein kleines, dünnes Kind ohne Krankheiten, sehr lebhaft und vielseitig interessiert, danach habe ich mich häufig verweigert.« Mit 16 habe es eine Phase gegeben, »da wollte ich meine Sorgen auch mal wegtrinken, später habe ich es mit einer Therapie versucht«. Seit 14 Jahren ist die frühere Sachbearbeiterin nun frühverrentet, »wegen Depressionen«. Und jetzt? »Jetzt ist es ein großes Glück für mich, all die anderen Menschen kennengelernt zu haben.«

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