Wie die Freude am Lernen verdorben wird
Kein Kind kommt rücksichtslos, destruktiv oder gar gewalttätig zur Welt, aber alle verfügen über ein enorm lernfähiges Gehirn. Damit können sie alles lernen, was ihnen hilft, sich in ihrer Lebenswelt zurechtzufinden. Deshalb müssen Kinder nicht dazu erzogen und unterrichtet werden, sich fair und gerecht gegenüber anderen zu verhalten. Sie müssen nur mit für sie bedeutsamen Bezugspersonen aufwachsen, die sich selbst fair und gerecht verhalten. Wenn sie jedoch in Gemeinschaften hineinwachsen, deren Mitglieder ihre jeweiligen Interessen erfolgreich auf Kosten anderer durchsetzen, indem sie andere zu Objekten ihrer Vorstellungen und Erwartungen, ihrer Belehrungen und Bewertungen oder gar ihrer Maßnahmen und Anordnungen machen, wäre es ein beängstigendes Zeichen mangelnder Lernfähigkeit, wenn sich ein Kind nicht auch diese Verhaltensweisen selbst zu eigen machte.
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Gerald Hüther ist Neurobiologe und Lernforscher, außerdem Initiator und Vorstand der Akademie für Potenzialentfaltung. Er lebt in Göttingen.

