Schwere Zeiten?
Ich bewundere die Frauen und Männer, die in Istanbul demonstrieren und für inhaftierte Journalisten auf die Straße gehen. Ich bewundere auch die Frauen und Männer, die in Moskau demonstrieren, gegen Putin, für die Meinungsfreiheit. Und ich bewundere die, die sich in Venezuela, in Ungarn, in China für Freiheit engagieren. Alle diese Menschen haben Mut. Und den brauchen sie auch, um gegen ihre repressiven, autoritären Regime anzugehen. Mut bedeutet hier: den Mund aufzumachen, obwohl man dafür verhaftet werden kann. Und in der Haft gefoltert werden kann. Berufsverbote zu bekommen. Angehörige unter Druck gesetzt zu sehen. Ausgegrenzt, verfolgt, vernichtet zu werden. Es sind mutige Leute wie diese, denen wir in der Geschichte die Durchsetzung von Demokratie und freiheitlichen Ordnungen zu verdanken haben. Mut ist übrigens nicht dasselbe wie Furchtlosigkeit. Es gehört sogar Furcht, das Bewusstsein über die Gefahr, dazu, wenn man sich entschließt, mutig zu sein. Ohne Furcht zu handeln ist töricht.
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Harald Welzer ist Sozialpsychologe, Publizist und Honorarprofessor für Transformationsdesign an der Universität Flensburg. Bekannt wurde er vor allem durch seine Arbeiten über den Klimawandel. Er schrieb unter anderem das Buch: »Selbst denken. Eine Anleitung zum Widerstand«. S. Fischer Verlag.

