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Und wenn wir da etwas missverstanden hätten bei dem, was der Heiler aus Nazareth zeigen wollte? Könnte doch sein. Gibt ja massenweise Missverständnisse bei der Rezeption dieses Mannes, leider Gottes, die ganze Christentumsgeschichte ist voll davon, jede Zeit hat wohl die Aufgabe, alte Missverständnisse abzustreifen. Soweit, so einig: Im Zentrum dessen, was von Jesus erzählt wurde, stehen Heilungen. Viele Heilungen. Jesus macht offenbar sehr konkret heil. Aber dann, wenn wir (»wir«, damit meine ich jetzt mal ganz pauschal und undifferenziert »die« Kirchen seit Jahrhunderten, Gläubige, Predigende, Bibelleserinnen, Maler, Suchende wie Du und ich) etwas missverstanden hätten? Denn auf wessen Seite stellen wir uns normalerweise? Mit wem identifizieren wir uns für gewöhnlich? Doch wohl mit den armen, kranken Bittstellern, automatisch. Mit dem blinden Bettler Bartimäus, der Jesus hinterherschreit. Mit dem lahmen Namenlosen, der von seinen Freunden übers Dach hinabgelassen wird, bevor er seine Matte nehmen kann und gehen. Mit dem Gelähmten, der an der Wunderquelle wartet, so lange schon, bis Jesus kommt. Und ja, zugegeben: diese Rufer aus der Tiefe, es gibt Zeiten im Leben, da sind wir dankbar, wenigstens in ihnen Weggefährten finden zu können, Gott sei Dank.
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Matthias Morgenroth studierte Germanistik und evangelische Theologie in München. Er ist Redakteur beim Bayerischen Rundfunk und verfasste zahlreiche Kinder- und Sachbücher.

