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Sie ist atemberaubend

Die Grandezza der Demut trägt graues Wollkleid und Gesundheitsschuhe
von Annette Behnken vom 23.02.2023
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Es war wie permanentes Heim- und Fernweh zugleich. Ich lief eigentlich immer melancholisch, mit einer brennenden Sehnsucht durchs Leben, ohne gut benennen zu können, wonach ich mich sehnte. Ich war vielleicht 13, 14 Jahre alt, als dieses Gefühl begann, den Ort in meinem Inneren zu kapern, an dem sich für eine kurze Weile der Glaube an einen konkret existierenden Gott eingenistet hatte. Eine Sehnsucht ungefähr danach, das Leben auszuloten, in alle Tiefen und Untiefen, Höhen und Ekstasen, in die Weite und in feinste Verästelungen hinein. Ein Satz, der sich in mir festgehakt hat in einer Zeit, als das Brennen und Sehnen kaum auszuhalten war: In unserer Gesellschaft ist es Verrückten und Künstlern vorbehalten, das Leben in all seine Richtungen auszuloten – so ungefähr hat es Anaïs Nin geschrieben. Ich las damals eine Biografie über sie und war fasziniert, wie leidenschaftlich sie sich durchs Leben und durch die Liebe improvisierte. Ich war und bin weder Künstlerin noch verrückt. Aber genau das wollte ich: das Leben ausloten.

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