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Empfindsame Wahrnehmung

Für die Philosophin Corine Pelluchon ist Demut die erste Etappe auf dem Weg zur Wertschätzung anderer
von Hermann-Josef Heinz vom 23.02.2023
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Sie ist in Frankreich eine angesagte Frau: die Philosophin Corine Pelluchon, Professorin an der Pariser Gustave Eiffel Universität. Ihr 2021 erschienenes Buch »Das Zeitalter des Lebendigen« fand große Aufmerksamkeit. In diesem Werk fordert Corine Pelluchon eine »neue Philosophie der Aufklärung«. Bemerkenswert ist, dass für sie dabei die Begriffe »Transzendenz« und »Demut« eine große Rolle spielen. Und noch bemerkenswerter ist, dass die nicht-gläubige Denkerin auf Positionen des mittelalterlichen Benediktinermönchs Bernhard von Clairvaux (1190-1253) zurückgreift. Demut im Mittelalter? Denkt man da nicht eher an Benedikt von Nursia (6. Jh.), der im 7. Kapitel seines Regelbuchs geschrieben hat: »Er (der Mönch) hält beim Gottesdienst, im Garten, auf der Straße, das Haupt geneigt und die Augen zur Erde niedergeschlagen. So betrachtet er sich immer schuldbeladen und sieht sich im Geiste vor dem schrecklichen Gerichte Gottes.« Sieht man heute einen solchen Menschen, denkt der aufgeklärte Zeitgenosse eher an eine depressive Verstimmung. In der Postmoderne ist Durchsetzungsvermögen gefragt, der erhobene Kopf und nicht das gesenkte Haupt mittelalterlicher Mönche.

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