Deckname Pierre
Die Forschungsreise beginnt in Ulm. Sie führt über Freiburg nach Grenoble, in die große französische Alpenstadt. Hin und zurück rund 1600 Kilometer. Ein weiter Weg für eine Begegnung mit einer fast hundert Jahre alten, hellwachen Französin. Marcelle Faber-Engelen beschloss im Herbst 1940, vor 82 Jahren, als Oberschülerin in Straßburg, ihr Leben in der Résistance, im gewaltfreien Widerstand gegen die Nationalsozialisten zu riskieren. »Ich hatte den gefährlichsten Job«, erinnert sich Marcelle Faber-Engelen. »Jeden Abend war Treffpunkt mit den Fluchtwilligen, im Halbdunkel unter der Marienstatue in der Kirche Saint Jean unweit vom Straßburger Bahnhof. Die Flüchtlinge knieten wie stille Beter. Das diente der Tarnung. Nur ich stand und führte das Wort.« Marcelle, die Jüngste der Widerstandskämpferinnen, wurde so unweigerlich das Gesicht der Pfadfinderinnen-Fluchthilfsorganisation Equipe Pur-Sang. »Es war Abend für Abend riskant. Denn jedes Mal hätte unter den Fliehenden ein Nazispitzel verborgen sein können.« Doch diese Katastrophe trat nie ein. »Wer von den Hilfesuchenden das Code-Wort ›Pierre‹ sagen konnte, den nahmen wir erst mal zum Essen mit in den mit uns befreundeten Gasthof A L´Ancienne Gare und dann am kommenden Tag auf den langen Weg über die Berge in die Freiheit.«
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