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Liebe Leserinnen, liebe Leser,

vom 13.12.2024
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»Mitten im kalten Winter?« werden Sie vielleicht denken, womöglich ein wenig irritiert? Ein Heft übers Aufblühen? Jetzt, wo draußen das letzte Herbstlaub von den Ästen gefegt wurde, wo die Sonne sich, wenn überhaupt, nur so kurz am Himmel zeigt, dass gar kein Aufblühen möglich ist?

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum EXTRA 01/2024 vom 19.12.2024, Seite 2
Wahrheit und Lüge
Wahrheit und Lüge
Worauf können wir uns verlassen?
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Aber falls Sie am 4. Dezember, dem Gedenktag der Heiligen Barbara, von einem Kirschbaum ein paar Zweige geschnitten und diese in der warmen Stube in eine Vase gestellt haben, dann dürften sich in diesen Tagen kleine zarte Blüten zeigen. Im österreichischen Burgenland streut man zu Ehren der frühchristlichen Märtyrerin am 4. Dezember Weizen- oder Gerstenkörner auf einen Teller, begießt sie mit Wasser und stellt sie an einen warmen geschützten Ort. Zu Weihnachten ist die Saat aufgegangen und bildet einen dichten grünen Busch. Dort hinein stellt man eine Kerze, als Hinweis auf Christus, das Licht der Welt. Und das ist nicht das einzige Symbol des Aufblühens rund um Weihnachten. Die grüne Tanne erinnert uns daran, dass aller äußeren Kargheit und Lebensfeindlichkeit zum Trotz die Lebenskraft sich durchsetzt. Der Weihnachts- oder Christstern mit seinen leuchtend roten Blüten gehört in diesen Wochen zu den beliebtesten Pflanzen. Es gehört wohl zu den tiefsten Sehnsüchten des Menschen, dass das Leben aufblühen möge. Dass es erstrahlt an Schönheit, an Kraft und Pracht. Deshalb halten wir gerade in der dunklen Jahreszeit diese Sehnsucht wach in Ritualen und Symbolen. Deshalb auch diese EXTRA-Ausgabe über das Aufblühen von Menschen und Gärten mitten im kalten Winter. Und wo kann man dieses Aufblühen schöner erleben als im Garten, dem eigenen oder dem öffentlichen? Und wo erleben Menschen auch das eigene Aufblühen, wenn nicht beim Gärtnern. Denn es geht beim Garten immer um die Natur und die Pflanzen. Aber immer auch um den Menschen. Und oft auch um Gott.

Dieses EXTRA erzählt von Menschen und ihren Gärten. Das kann eine Parzelle in einer Schrebergarten-Kolonie sein oder der Traum von einem blühenden Fleckchen auf einem Hochhausdach über der Großstadt. Überhaupt spielen Träume im Garten eine große Rolle. Dass zum Beispiel die Wüste erblühen möge. In Afrika haben sich Staaten und Privatinitiativen darangemacht, diesen Traum von einem grünen Band quer durch die Sahel-Zone Wirklichkeit werden zu lassen. Eine grüne Mauer gegen die Folgen des Klimawandels, denn in Westafrika macht die sengende Hitze inzwischen sogar den Kakteen zu schaffen. Auch hierzulande gärtnern Menschen an gegen den Asphalt in den Städten. Und wenn es gelingt, wird sogar ein riesiger ehemaliger Panzerparkplatz zu einer blühenden Oase für Menschen und Tiere.

Paradiesisch könnte man meinen. Und tatsächlich sind Gärten immer auch Ausdruck unserer Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies, nach dem Garten Eden, in den laut biblischem Bericht die Menschen eingepflanzt wurden. Der Ort ihrer Bestimmung? Die Schönheit des Ortes, das Einssein mit der Natur, mit ihrem Werden und Vergehen, hat eine spirituelle Dimension. Weswegen Gärten in allen Religionen auch Orte der Gottes- und Selbsterkenntnis sind. Es geht darum, dass ein Mensch zu seiner eigentlichen Bestimmung findet, dass sie oder er innerlich aufblühen kann. Die Psychologie spricht vom „flourishing“. Wie viel Kraft in diesem Aufblühen steckt und wie Menschen es konkret erleben, in ihrem Leben aufzublühen, auch davon erzählt dieses EXTRA.


Mögen die Blütenträume dieser Ausgabe hell strahlen, gerade, wenn es kalt und dunkel ist.

Lothar Bauerochse

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Personalaudioinformationstext:   Lothar Bauerochseist evangelischer Theologe und Journalist. Er arbeitet in der Religionsredaktion des Hessischen Rundfunks und lebt in Heidelberg
Schlagwort: Weihnachten
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