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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2016
Schwester Kuh
Was wir den Tieren schulden
Der Inhalt:

Tote ins Museum?

von Margot Kässmann, Franz Josef Wetz vom 29.08.2016
»Körperwelten« heißt eine umstrittene Ausstellung in Berlin, die aktuell die Juristen beschäftigt. Gezeigt werden menschliche Körper, die Initiator Gunther von Hagens durch Plastination konserviert. Doch ist das mit der Würde des Menschen – auch im Tod – vereinbar? Uns interessiert Ihre Meinung! Argumente? Finden Sie in diesem Pro und Contra von Franz Josef Wetz und Margot Käßmann
Darf man Tote im Museum zeigen? Franz Josef Wetz (links) sagt: Ja! Margot Käßmann (rechts) sagt: Nein! (Fotos: pa/Hörhager; pa/eventpress/stauffenbereg)
Darf man Tote im Museum zeigen? Franz Josef Wetz (links) sagt: Ja! Margot Käßmann (rechts) sagt: Nein! (Fotos: pa/Hörhager; pa/eventpress/stauffenbereg)

Franz Josef Wetz: »Ja! Das ist ein Fest des Lebens«

»›Körperwelten‹ ist ein Fest des Lebens! Die Ausstellung zeigt den Besuchern sowohl den feingliedrigen Aufbau ihres Körpers als auch dessen Zerbrechlichkeit. So wird ihr Sinn für die eigene Gesundheit gestärkt. Außerdem macht die Ausstellung auf die Einmaligkeit und Besonderheit des Menschen aufmerksam, indem sie den feinstrukturieren Körper auf dem Hintergrund seiner Endlichkeit zum Vorschein bringt. Sie lehrt den Betrachter das Staunen über die eigene Existenz, für deren Bewunderung im Alltag nur wenig Raum bleibt. Körperwelten leistet einen wichtigen Beitrag zur Intensivierung des bewussten Lebens. Das Selbstverständlichste wird hier zum Bemerkenswerten. Schließlich regt die Ausstellung die Frage nach dem Wert und der Bedeutung des Menschen an. Jedoch bleibt die Ausstellung weltanschaulich neutral. Sie beantwortet letzte Fragen nicht. Körperwelten ist deutungsoffen für unterschiedliche Menschenbilder religiöser und philosophischer Art. – Über die ethische Zulässigkeit der Ausstellung haben die Körperspender und Besucher längst entschieden.

Die Ausstellung brachte bisher viele Millionen Besucher zur Besinnung. Selbst in den überfülltesten Räumen herrscht eine fast sakrale Ruhe vor den Glasvitrinen und Ganzkörperplastinaten. Der Besucher schaut in einen fremden Körper, um darin sein eigenes verletzliches Leben neu zu entdecken. So rührt der Ernst in der Ausstellung nicht daher, dass die Besucher hier etwas Gruseliges oder Würdeloses zu sehen bekämen. Er rührt vielmehr daher, dass

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Kommentare
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Doris Wroblewski
01.09.201610:58
Die Ausstellung "Körperwelten" hat mich von Beginn an fasziniert. Ich bin 1997 extra nach Mannheim gefahren und habe mit ebenso großer Begeisterung 2014 die Ausstellung in München besucht. Für mich ist es kein Exhibitionismus, sondern Realität, Möglichkeit, ins Innere eines Menschen zu sehen, ohne, wie vielleicht im Anatomiestudium, von Gerüchen und innerer Ablehnung betroffen zu sein.
Anstelle von Medizinerin, wurde ich Heilpraktikerin und Ernährungswissenschaftlerin. Ich betrachte die Exponate mit Ehrfurcht vor denen, die sicher ihre Einwilligung dazu gegeben haben. Ich habe auch alle Achtung vor Gunther von Hagen, der trotz aller Anfeindungen diese Arbeit weiter verfolgt hat. Ich bin überzeugt, dass es vielen Menschen ähnlich geht und sie froh sind, auf diese Weise einen Blick ins Innere zu wagen, in einen Körper, der einmalig, wunderbar, fan-tastisch ist. Hoffentlich sehen viele, wann Leben beginnt, so dass es zu weniger Abtreibungen kommt.
D.Wroblewski www.azidosetherapie.com