Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2016
Schwester Kuh
Was wir den Tieren schulden
Der Inhalt:

NACHGEFRAGT: Will der Papst Diakoninnen?

von Britta Baas vom 26.08.2016
Franziskus lässt die Chance auf neue Jobs für Frauen in der Kirche prüfen. Fragen an die Theologin Ida Raming

Publik-Forum: Im Vatikan scheint man jetzt auf die Frau gekommen zu sein: Eine gerade gegründete Kommission prüft, ob es in der Geschichte der Kirche Diakoninnen gab – und ob es auch künftig welche geben könnte. Weiß man das nicht alles schon?

Ida Raming: Ja, das weiß man. Es liegen viele grundlegende wissenschaftliche Arbeiten dazu vor. Aber schon vor einigen Jahren hat eine vatikanische Kommission die Frage so behandelt, dass wesentliche Forschungen gar nicht zur Kenntnis genommen wurden.

Trotzdem hat ein Schwung von Ordensoberinnen Papst Franziskus offenbar dazu gebracht, die Frauenfrage wieder auf die Tageordnung zu nehmen. Er lässt nun über die Frühphase der Kirche forschen. Haben Sie die Hoffnung, dass etwas Neues dabei herauskommen?

Raming: Neu wäre, wenn eine solche Kommission wirklich mal das kirchengeschichtliche Wissen aufgreifen würde. Bislang haben sich zur Frauenfrage mit Vorzug Dogmatiker geäußert. Und die lassen die historischen Kontexte, die Sozial- und Milieugeschichte gerne weg. Wenn man diese Geschichte sieht, muss man zur Kenntnis nehmen: Frauen wurden zum Beispiel auch deswegen aus dem Altarbereich verdrängt, weil man sie wegen ihrer Monatsblutung für unreine Wesen hielt, die den »reinen Raum« nicht beschmutzen durften. Dies kann ja heute kein Grund mehr sein, sie fernzuhalten! Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch eine Aussage des Kirchenhistorikers Hubert Wolf. Er sagt: »Es besteht kein Zweifel, dass es über Jahrhunderte in der Kirche Diakoninnen gab, die in einem analogen Ritus wie dem für Männer ordiniert wurden: Diakoninnen gab es in der alten Kirche, in der Ostkirche sogar bis ins 12. und 13. Jahrhundert.

Sechs Frauen und sechs Männer sitzen in der neuen Studienkommission. Welche?

Raming: Ich kenne die Namen, kann aber nicht alle einschätzen. Es sind zwei Deutsche darunter, die in Wien lehrende Professorin Marianne Schlosser und der emeritierte Theologe Karl-Heinz Menke von der Uni Bonn. Geleitet wird die Kommission von Erzbischof Luis Ladaria, einem Jesuiten. Als feministische Theologin in der Kommission gilt Phyllis Zagano, eine US-Amerikanerin, die sich seit Langem für den Diakonat der Frau stark macht. Ich gehe davon aus, dass sie die volle Öffnung aller Weihestufen für Frauen will, aber pragmatisch

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen