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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2016
Gefährlicher Egoismus
Warum sich die Deutschen mit Gerechtigkeit so schwertun
Der Inhalt:

Tempolimit auf Autobahnen?

vom 04.11.2016
Alle europäischen Länder beschränken die Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen – in Italien auf 130, in den Niederlanden auf 120, in Schweden auf 110 Stundenkilometer. In Deutschland wird das seit Jahrzehnten diskutiert, aber bisher darf man hier weiter mit ungebremstem Tempo fahren. Brauchen auch wir eine Geschwindigkeitsgrenze? Uns interessiert Ihre Meinung! Argumente? Finden Sie in diesem Pro und Contra
Brauchen wir ein Tempolimit auf Deutschlands Autobahnen? Jens Hilgenberg (links) sagt: »Ja!« Jürgen Berlitz (rechts) findet: »Nein!« (Fotos: BUND; ADAC)
Brauchen wir ein Tempolimit auf Deutschlands Autobahnen? Jens Hilgenberg (links) sagt: »Ja!« Jürgen Berlitz (rechts) findet: »Nein!« (Fotos: BUND; ADAC)

Jens Hilgenberg: »Ja! Es schont Umwelt und Menschen«

»Ist es wirklich der Traum von Freiheit, wenn einige Menschen mit weit über 200 Stundenkilometern über die Autobahnen rasen? Oder ist das nicht eher ein Albtraum von Unfreiheit – für jene Verkehrsteilnehmer, die durch hohe Geschwindigkeiten geängstigt, gefährdet und bei Unfällen verletzt oder getötet werden?

Gleichmäßigere Geschwindigkeiten und geringere Tempounterschiede sorgen dafür, dass die Zahl schwerer und tödlicher Unfälle um rund ein Drittel sinkt. Hinzu kommt, dass auch Verbrauch, Schadstoffausstoß und Lärmemissionen bei höheren Geschwindigkeiten deutlich ansteigen. Mit einem Tempolimit von 120 Stundenkilometern könnten endlich Sparsamkeit und Emissionsarmut Vorrang haben. Die Hersteller könnten neue Modelle nach zeitgemäßen Kriterien entwickeln, statt sich an erlaubten Höchstgeschwindigkeiten zu orientieren. Für die Zukunftsfähigkeit der hiesigen Autobranche ist ein solcher Wandel unverzichtbar. Verbunden mit einer intelligenten Verkehrswende hin zu mehr Rad- und öffentlichem Verkehr sichert es so den Standort Deutschland und viele Arbeitsplätze. Tempolimits steigern auch die Durchlässigkeit des Straßennetzes und reduzieren die Notwendigkeit für Neu- und Ausbauten von Autobahnen. Die dafür verplanten Milliarden könnten für die Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur insgesamt eingesetzt werden und so auch jenen nützen, die nicht Auto fahren.

Jeder der angeführten Punkte wäre Grund genug, ein Tempolimit auf Autobahnen einzuführen. Wer davor se

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Kommentare
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Hanna Leinemann
16.11.201613:01
Es wäre richtig schön, der Verkehr von den Autobahnen würde sich verlagern, und zwar auf die Schiene. Auch diesen Trend gab es schon einmal; Zentralen für die Ankunft und Verteilung für die Güter wurden geplant und schon gebaut - aber dann kam wieder die "Freie FffB", und jede Vernunft war dahin. - Herrn Berlitz und dem ADAC sei ins Stammbuch geschrieben: Jede Verringerung von Schadstoffen, Unfällen, Nervenbelastungen pp., und sei sie im einzelnen noch so marginal, muß endlich geleistet werden. - Im übrigen wüßte ich wirklich gerne, warum ein Raserfreuddiger bei Begrenzungen auf 120/130 km/h auf Landstraßen mit 100 km/h und geringer ausweichen wollte. -
J. Flade
14.11.201611:09
Ich frage mich, warum Herr Berlitz weiterhin die abgedroschenen Thesen verbreitet, dass ein Geschwindigkeitslimit keine Auswirkungen auf die Umwelt hat. Er sollte einmal auf die Verbrauchsanzeige seines Pkw achten. Hat er ein Wunderauto, dass bei hoher Geschwindigkeit weniger Verbrauch anzeigt als bei niedriger?
Godehard Franzen
13.11.201611:14
Jürgen Berlitz' Plädoyer überzeugt mich überhaupt nicht. Die CO2-Einsparungen sind zwar gering, aber nicht marginal. Und man kriegt sie zum Nulltarif. Und die Interpretation der Unfallstatistiken halte ich für fragwürdig, weil die Autobahnen als geschlossenes Subsystem betrachtet werden. Das sind sie aber nicht. Das Fehlen eines generellen Tempolimits begünstigt eine (Un-)Kultur des Rasens. Das hat Auswirkungen auf das Verkehrsgeschehen auf allen Straßen. Wir brauchen insgesamt eine Entschleunigung des Autoverkehrs, und dafür ist ein generelles Tempolimit ein unerlässlicher Schritt. Vor gut 40 Jahren während der ersten Ölkrise hatten wir für eine Weile ein generelles Limit von 100 auf dt. Autobahnen. Nach einer unsäglichen Kampagne ("Freie Fahrt für freie Bürger"), mit dem ADAC an der Spitze, wurde die Tempobegrenzung wieder ersatzlos aufgehoben - ein unverzeihlicher Fehler.
Wolfgang Rieger
11.11.201622:03
Etwas anderes als Berlitz' anachronistisches Plädoyer für's Rasen hätte ich auch von einem Funktionär des Freie-Fahrt-für-freie-Bürger-Vereins nicht erwartet. Manche Gesichtspunkte sind durchaus zutreffend, aber sie rechtfertigen in keiner Weise die Narrenfreiheit. In einem Punkt druckt Berlitz allerdings Falschgeld: Er behauptet, dass durch ein Tempolimit von 120 km/h „nur ein bis zwei Prozent Kraftstoff eingespart“ werden. Die physikalische Basis, wonach sich der Luftwiderstand mit dem Quadrat des Tempos erhöht, ignoriert er völlig. Er verschweigt die Vergleichsgeschwindigkeit, gegenüber der diese zwei Prozent eingespart werden sollen, aber ich habe das für ihn nachgerechnet: ein mittleres Fahrzeug kann gerade mal 121,2 km/h fahren, um zwei Prozent mehr zu verbrauchen. Der Verbrauch bei Tempo 200 km/h beträgt aber das 2,3-fache gegenüber 120 km/h! Diese Irreführung durch einen sog. Verkehrsexperten passt hervorragend zu den Schadstofflügen der Autoindustrie.
Renate
04.11.201621:13
Ein Tempolimit würde die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer erhöhen, da Fahrer mit hohem Tempo leider oft auch die sind, die keinen Abstand (10m bei 150kmh und eben nicht halber Tacho!) halten und immer automatisch davon ausgehen, dass der vordere Fahrer sofort nach rechts ausweicht.
Geheimer
04.11.201613:47
Jens Hilgenberg hat Recht wenn er sagt, dass ein Tempolimit die Sicherheit erhöht und die Umwelt schont. Jürgen Berlitz hat Recht wenn er sagt, dass beide Auswirkungen marginal sind.

In einem Punkt muss ich aber widersprechen. Deutsche Hersteller orientieren sich nicht an der erlaubten Höchstgeschwindigkeit. Abgesehen davon, dass die Fahrzeugentwicklung global erfolgt begrenzen die Hersteller die Höchstgeschwindigkeiten freiwillig. Entweder weil es so vereinbart wurde (250 km/h) oder weil sie andere Vorteile daraus ziehen (bessere Schadstoffklasse, geringere Produktionskosten).