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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2018
Streit ums Abendmahl
Der Ökumene droht der Totalschaden
Der Inhalt:

Geschlechtergerecht schreiben?

Sollten Binnen-I und das Gendersternchen * künftig im Duden, in Artikeln und Dokumenten stehen, damit sich alle Menschen berücksichtigt fühlen? Der Rat für deutsche Rechtschreibung kann sich bis heute nicht zu einer Empfehlung durchringen. Geschlechtergerecht schreiben? »Ja!«, sagt Redakteurin Anne Strotmann. »Nein!«, sagt Kollegin Elisa Rheinheimer-Chabbi
Geschlechtergerecht schreiben? »Ja!«, sagt Anne Strotmann (links). »Nein, nicht nötig!«, sagt Elisa Rheinheimer-Chabbi (rechts). (Fotos: privat)
Geschlechtergerecht schreiben? »Ja!«, sagt Anne Strotmann (links). »Nein, nicht nötig!«, sagt Elisa Rheinheimer-Chabbi (rechts). (Fotos: privat)

Anne Strotmann: »Ja! Geschlechtergerecht schreiben ist angemessen«

»Ich verstehe nicht, warum man gegen das Bemühen ankämpfen sollte, dass man diejenigen die man meint, auch benennt. Klar sind wir alle Menschen, aber in der sozialen Realität sind manche eben doch gleicher als andere.

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 12/2018 vom 22.06.2018, Seite 8
 Streit ums Abendmahl
Streit ums Abendmahl
Der Ökumene droht der Totalschaden

Das Argument, geschlechtergerechte Sprache würde den Lesefluss stören, empfinde ich als vorgeschobene Ausrede. Auf die komplizierten Schrägstrichkonstruktionen der frühen Bemühungen um geschlechtergerechte Sprache mag das ja zutreffen. Aber gerade Binnen-I oder Genderstern stören wenig beim Lesen.

Ein anderes Gegenargument lautet, das »generische Maskulinum« sage nichts über das Geschlecht, »Lehrer« sei einfach die Grundform. Da bleibt es dennoch das Problem, dass »Lehrerin« die weibliche Sonderform ist, die nur Frauen markiert. Es ist real, dass zwischen Männern und Frauen unterschieden wurde und immer noch wird. Und dass das Kuriosum, ausnahmsweise von Frauen zu sprechen, mit -in markiert wird. Für Männer gibt es leider keine solche Sonderform, sie sind keine »Lehreriche«, sondern »Lehrer«, ganz normal eben.

Der Genderstern drückt am besten aus, dass alle Geschlechter gemeint sind. Und seit es ihn gibt, werden Binnen-I und weibliche Formen leichter akzeptiert. Man denkt zumindest mal darüber nach, von wem man sprechen will und wie man es ausdrückt. Gut so! Denn das Mantra, mit dem generischen Maskulinum seien doch alle Geschlechter »mitgemeint«, hält empirischen Untersuchungen nicht stand. Es mag ja sogar sein, dass jemand, der das generische Maskulinum verwendet, dabei auch Frauen, Transmenschen, Genderqueere im Kopf hat. Aber woher soll die Leserin das wissen, wenn es doch nicht da steht? Es ist doch die Funktion von Sprache, das, was in unseren Köpfen ist, auch möglichst so, wie wir es meinen, unserem Gegenüber zu transportieren. Unsere Sprache hat sich längst geändert, wie Sprache es eben tut. Es ist an der Zeit, dass Duden und Dokumente diese Wirklichkeit abbilden.«

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Elisa Rheinheimer-Chabbi: »Nein! Geschlechtergerecht schreiben ist unnötig«

»Da ich mich im links-grünen Milieu bewege, fällt es mir schwer, gegen geschlechtergerechtes Schreiben zu argumentieren. Schließlich will ich nicht in eine Ecke mit konservativen Kreisen gestellt werden, denen ich mich nicht zugehörig fühle. Trotzdem sage ich: Binnen-I, Gendersternchen oder Unterstrich stören den Lesefluss. Sie führen gerade nicht zur Normalisierung der Geschlechtervielfalt, sondern betonen die Andersartigkeit. Dazu kommt: Fühlen sich wirklich alle, die sich weder als Mann noch als Frau definieren, durch ein * repräsentiert? Und ist es nicht bloß eine Frage der Zeit, bis auch das * als ungenügend oder diskriminierend gilt?

Natürlich beeinflusst Sprache unser Denken. Ich fühle mich als Frau zwar auch angesprochen, wenn von »Bürgern« die Rede ist, halte es aber durchaus für sinnvoll, von Ingenieurinnen und Erziehern zu sprechen, um Stereotype zu überwinden. Da mache ich gerne mit! Aber es gibt Grenzen. Denn erstens will ich die Sprache nicht ihrer Schönheit berauben. Zweitens bin ich der Ansicht, es gibt wichtigere Bereiche als ausgerechnet die Zeichensetzung, in denen es lohnt, für eine gleichberechtigte Teilhabe von Menschen zu kämpfen. Ich möchte, dass Zugewanderte und ihre Nachkommen als selbstverständliche Mitglieder der Gesellschaft angesehen werden. Ich wünsche mir, dass Frauen endlich genauso viel verdienen wie Männer. Ich will, dass niemand ausgegrenzt oder diskriminiert wird, der irgendwie anders ist. Das durch eine Scheindebatte über Sternchen, Striche erreichen zu wollen, ist absurd.

Drittens meine ich, dass * und Co. entgegen ihrer Intention zu einer Spaltung der Gesellschaft beitragen. Wenn in akademischen und politischen Zirkeln eine Sprache entwickelt wird, die sich von der Alltagssprache abhebt, zementiert dies in Teilen der Bevölkerung das Gefühl, es mit einer abgehobenen Elite zu tun zu haben, die sich für etwas Besseres hält. Der gut gemeinte Wunsch nach Inklusion wird so leicht ins Gegenteil verkehrt.«

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Christof Bretscher
04.07.201814:36
Die Argumentation von Elisa Rheinheimer-Chabbi finde ich deutlich überzeugender als die von Anne Strotmann. Der Text wird verkorkst durch Sonderzeichen wie * oder -I ohne Bedeutung für Rechtschreibung oder Grammatik, erst recht das Vorlesen von Texten oder Geschichten. Der * wird bereits vielfältig benutzt, noch eine Bedeutung mehr ist einfach ätzend.
Bei persönlicher Anrede oder z.B. Verweis auf oder Sprechen von der Lehrerin oder dem Lehrer muss immer die männliche oder weibliche Form gewählt werden - das sollte der Rat für deutsche Rechtschreibung dringend empfehlen. Dann kann auch eine Bank ihre Kundinnen nur noch als solche ansprechen. In der Berufsordnung für Ärzte z.B. in Hamburg oder Bayern wird eigens darauf hingewiesen, dass mit dem Begriff die ärztliche Person ("die" ist ja weiblich, oh Schreck) unabhängig vom Geschlecht gemeint ist. Dennoch spricht oder schreibt jeder Patient(*?) von seiner Ärztin oder seinem Arzt. "Ruf den Doktor*" oder "Ruf den Arzt*" ist eher niedlich.
Hanna Leinemann
02.07.201817:30
Ja, Anne Strotmann; ich weiß beim Geschriebenen nicht, was der oder die Schreibende meinte. Lese ich geschlechtergerechtes Geschriebene, weiß ich wenigstens, daß an alle Formen gedacht wurde. Das ist nach dem ausgeprägt Männlichen der Vergangenheit erst einmal wichtig. Ob es einmal überflüssig wird, mag die Zukunft zeigen. - Im übrigen hoffe ich immer noch darauf, daß es einmal "das Mensch" als Oberbegriff für "der Mann, die Frau, das Kind" heißen wird; sonst bleiben Frau und Kind vom Menschsein ausgeschlossen. -
Roswitha Fenneker
30.06.201821:58
Versuchen Sie einmal, einen Text konsequent weiblich zu schreiben; auch "frau" statt "man" o.ä. - Sie werden sich wundern, wie die Reaktionen ausfallen: das Mindeste ist Irritation; aber auch bitterböse Bemerkungen werden fallen. Dabei ist in vielen weiblichen Bezeichnungen die männliche enthalten (lassen Sie das "/In" oder "Inne" weg und Sie haben häufig die männliche Form - in "BürgerIn" ist der "Bürger" ja bereits drin!). Ich bin eine Frau, und ich möchte auch gern in meiner Weiblichkeit Ernst genommen werden.
Eine Jede ist in der Lage, auch ungewohnte Formulierungen zu verstehen. - Deshalb: Warum nicht Geschlechtergerechtigkeit?
Ich fände es sehr gut, wenn auch einmal auf die Befindlichkeit von Frauen Rücksicht genommen werden könnte.
Roswitha Fenneker
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