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Publik-Forum, Heft 12/2016
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Wo steckt die Seele?

von Katharina Ceming vom 23.06.2016
Auf der Suche nach dem Innersten des Menschen können alte christliche und buddhistische Lehren heute viel sagen. Beiden ist gemeinsam: Nicht die große Leere und Stille der meditativen Erfahrung ist das letzte Ziel, sondern die Integration dieser Erfahrung in den Alltag
Auf der Suche nach dem Innersten des Menschen: Ist die Seele wie ein Tropfen, der alle Wasser der Welt berührt? (Foto: istockphoto/Jezperklauzen)
Auf der Suche nach dem Innersten des Menschen: Ist die Seele wie ein Tropfen, der alle Wasser der Welt berührt? (Foto: istockphoto/Jezperklauzen)

Auf die Frage, ob der Mensch mehr ist als nur dieser sichtbare Körper, hätte ein mittelalterlicher Mensch vermutlich, ohne zu zögern, geantwortet: ja, denn er hat ja eine Seele. Unsere heutige Nachfrage, was die Seele denn sei, hätte er wahrscheinlich nicht verstanden. Galt es doch als gewiss, dass die Seele eine Art geistiger Substanz sei, die sich nach dem Tode des Menschen von dessen Körper löst und je nach der irdischen Lebensweise des Seeleneigners eine gute oder eine schlechte ewige postmortale Existenz zu erwarten habe.

Die Vorstellung einer unsterblichen Seele, die ohne ihren Körper existieren könne, stammt aus der griechischen Philosophie. Platon lehrte, dass der Mensch mit einer unsterblichen Seele ausgestattet sei, die ihn von allen anderen Lebewesen unterscheide. Diese unsterbliche Seele habe der Mensch vom göttlichen Schöpfer selbst. Viele christliche, aber auch jüdische Theologen griffen Platons Seelenlehre auf. Besonders die jüdischen Gemeinden, die außerhalb Israels lebten, hatten Elemente der griechischen Popularphilosophie in das eigene Denken integriert.

Mit dieser Seelenlehre waren zudem eine eigene Kosmologie und ein ganz bestimmtes Gottesbild verbunden. Der Ort, an dem man sich Gott vorstellte, waren die transzendenten himmlischen Gefilde über unserer bewohnten Erde. Zwischen Himmel und Erde lagen noch diverse abgestufte Regionen, die von verschiedenen geistigen Wesenheiten bewohnt wurden. Aus diesem Grund war man auch überzeugt, dass die Seele eines Menschen nach dessen Tod, so sie für gerecht befunden wurde, in den Himmel auffahren würde, da der Himmel über der Erde verortet wurde.

Diese Überzeugungen gaben den allermeisten Menschen durch die Jahrhund

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