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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 15/2019
War Goethe Muslim?
Fasziniert vom Islam: 200 Jahre West-östlicher Divan
Der Inhalt:

Status: »Verzweifelt katholisch«

von Pierre Stutz vom 06.08.2019
Auftreten oder austreten? Pierre Stutz, Theologe, Buchautor und Priester außer Dienst, findet seine Kirche manchmal einfach nur furchtbar. Doch Wut macht auch widerständig
»Wie konnte ich mich zum Priester weihen lassen?«: Pierre Stutz fragt sich das heute schon manchmal.Früher fragten es nur seine Freunde (Foto: Detlef Heese)
»Wie konnte ich mich zum Priester weihen lassen?«: Pierre Stutz fragt sich das heute schon manchmal.Früher fragten es nur seine Freunde (Foto: Detlef Heese)

Die 68er-Bewegung hat mich befreiend geprägt. Was für ein kämpferisches Lebensgefühl, nicht nur die Welt, sondern auch die katholische Kirche verändern zu können! Kein Wunder, dass mich in den 1980er-Jahren beste Freundinnen und Freunde fragten, wie ich mich zum Priester weihen lassen könnte? Mein Antwortversuch drückte sich in einem Versprechen aus: Ich werde kämpfen für eine andere katholische Kirche, eine offenere, ökumenischere, sinnlichere. 1985 teilte ich meinem Bischof vor der Priesterweihe handschriftlich mit, dass ich mich mit meiner ganzen Kraft für das Frauenpriestertum einsetzen würde. Ich tue es bis heute.

Als Priester kam ich dann immer wieder in Gewissensnöte, wenn von offizieller Seite betont wurde, dass es kein Frauenpriestertum geben werde. 1994 war mein Zorn groß, als Papst Johannes Paul II. schon allein die Diskussion mit dem empörenden Satz beenden wollte, dass »die Kirche keine Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und dass sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben«. Weil ich gern mit engagierten Frauen in der Kirche zusammenarbeite und der feministischen Theologie viel verdanke, habe ich mich immer wieder zu einem »Trotzdem und erst recht« durchgerungen. Diese »Kirche von unten« schenkt mir Heimat, in der ich mit vielen Verbündeten unterwegs bin.

Aber mich treibt das Unbehagen um, einer Gemeinschaft anzugehören, die himmelschreiende Menschenrechtsverletzungen fördert. Es genügt mir nicht mehr, dass betont wird, dass wir alle von einer göttlichen Würde bewohnt sind, wenn Frauen nicht gleichberechtigt Verantwortung übernehmen können, wenn wiederverheiratete Geschiedene nicht zur Kommunion eingeladen sind und die Liebe zwischen zwei

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