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Publik-Forum, Heft 16/2016
Schwester Kuh
Was wir den Tieren schulden
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Schwester Kuh, Bruder Schwein

von Anne Strotmann vom 24.08.2016
Was wir den Tieren schulden. Neue Erkenntnisse der Verhaltensbiologie – und die biblische Ethik. Die Titelgeschichte in der neuen Ausgabe von Publik-Forum
Schwester Kuh - oder Nutztier Kuh? Das Gegenüber des Menschen kann nicht wirklich beides zugleich sein - oder doch? (Foto: istockphoto/CreativeNature_nl)
Schwester Kuh - oder Nutztier Kuh? Das Gegenüber des Menschen kann nicht wirklich beides zugleich sein - oder doch? (Foto: istockphoto/CreativeNature_nl)

Schöpfung. Sechster Tag. Gestern hat Gott Fische und Vögel geschaffen, heute belebt er die Erde. Er macht Tiere aller Arten und sieht: Ja, es ist gut. Noch am selben Tag entschließt sich der Lebendige, den Menschen zu machen. Und verzichtet nach dessen Herstellung auf jenen zufriedenen Kommentar, mit dem er in der vergangenen Woche jedes seiner Werke abschloss. Vermutlicher weniger, weil er ihn für misslungen hält, als vielmehr, weil das Projekt Mensch noch nicht beendet zu sein scheint.

In dem paradiesischen Urzustand, den man in beiden Schöpfungserzählungen in Genesis 1, 1-2, 4a und Genesis 2, 4b-25 vorfindet, stehen Tier und Mensch einander nahe. In der jüngeren Erzählung sind beide »nefesch«, atmendes Leben. In der älteren werden Menschen und Tiere aus dem Ackerboden geformt. Im Garten Eden werden Tiere noch nicht als Rohstoffe »benutzt«, auch nicht gegessen: Gott gibt Menschen und Tieren die Pflanzen der Erde zur Nahrung: Eden ist also voller Veganer.

Unsere Realität heute ist davon weit entfernt. In der industriellen Tierhaltung, die Fleisch, Eier, Milch und vieles mehr »produziert«, werden Tiere in ein möglichst lukratives System gepresst. »Die Tonspur: metallischer Lärm, tierisches Geschrei. Wir befinden uns in einem Schlachthaus, mit einem jungen Punk, der hier als Hilfskraft jede Nacht das Vieh in den Schlachtraum treibt. Draußen wartet derweil sein Hund an der Leine und hört die Schreie der todgeweihten Tiere.« So beschreibt die Schweizer »Wochenzeitung« den Avantgardefilm »Gorge Cœur Ventre«, der die Frage nach der Würde der Kreatur gegen die Barbarei der Fleischproduktion eindrucksvoll ins Bild setzt. Man muss kaum noch viel erzählen über Fehlbetäubungen, Kükenschreddern, Qualzucht und

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