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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2016
Schwester Kuh
Was wir den Tieren schulden
Der Inhalt:

»Stark und biegsam wie Bambuswälder«

Nirgendwo wächst die Zahl der engagierten Christen so dynamisch wie in China. Das provoziert die Kommunisten. Ein Gespräch mit dem reformierten Theologen Tobias Brandner in Hongkong

Publik-Forum: Wirtschaft, Staat und Gesellschaft der Volksrepublik China entwickeln sich rasch. Welche Chancen bieten sich dabei für das Christentum?

Tobias Brandner: Während der letzten dreißig Jahre wuchs das Christentum in China jährlich um zehn Prozent. Die Zahl der Christen hat sich vervielfacht, trotz der Repression durch die KP und den atheistischen Staat. Und Chinas Kirchen wachsen rapide weiter. 1949, bei Maos Revolution, gab es eine Million Christen. Heute sind es über siebzig Millionen. So eine Dynamik ist einzigartig weltweit. Die jährliche Wachstumsrate der Kirchen entspricht dem jährlichen Wirtschaftswachstum.

Das Christentum ist gegen den Wind gewachsen, trotz der harten Repression.

Brandner: Ja, dies ist erstaunlich. Nach dreißig Mao-Jahren mit Unterdrückung und Christenverfolgung war 1982 die Zahl der Christen in China auf drei Millionen angestiegen. Eine große Zunahme trotz schärfstem Gegenwind. Seither wachsen die Christen schneller als die Bevölkerung. Zehn Jahre Kulturrevolution (1970-1980), das bedeutete: Der Besitz einer Bibel war verboten; die Christen wurden drangsaliert; viele getötet; sämtliche Kirchen waren beschlagnahmt. Und dennoch wuchsen im Untergrund die Kirchen; sie überlebten nicht nur – sie nahmen zu.

Unterscheidet sich die Lage bei Protestanten und Katholiken?

Brandner: Die evangelischen Kirchen wachsen deutlich rascher als die katholische. Der Grund liegt im unterschiedlichen Profil: Anstößig sind nicht die Protestanten mit ihren unauffälligen Gemeinden und Hauskirchen, sondern die Katholiken, weil sie infolge