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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2019
Höhenglück
Warum uns die Alpen so faszinieren
Der Inhalt:

Schutzlos in der Wüste

von Beatrix Gramlich vom 05.09.2019
Erschöpft und bedroht: In Nigers Wüstenstadt Agadez stranden immer mehr Flüchtlinge. Die Caritas versucht zu helfen
Ausgelaugt und verzweifelt: Menschen unter der glühenden Sonne von Agadez (Foto: Hartmut Schwarzbach/Argus)
Ausgelaugt und verzweifelt: Menschen unter der glühenden Sonne von Agadez (Foto: Hartmut Schwarzbach/Argus)

Ein Blick genügt, um zu erahnen, was diese Menschen hinter sich haben. In einem sandigen Hof sitzt in sich zusammengesunken ein Dutzend junger Männer auf groben Holzbänken: Sie sind erschöpft, verzweifelt, desillusioniert. In ihrer Heimat sind sie die Hoffnungsträger, in Europa unerwünscht, im Niger ein Nichts.

Lehmmauern schirmen das Grundstück ab. Im Inneren steht ein Flachbau mit zwei nackten Räumen. »In God we trust« hat jemand an die Wand gepinselt. Es klingt wie ein trotziger Protest gegen diesen trostlosen Ort. Es gibt keine Küche, kein Bad, nur ein Plumpsklo. Wasser müssen sie in Kanistern kaufen. »Wenn wir schlafen gehen, legen wir Kartons auf den Boden«, sagt Emmanuel aus Nigeria. 45 Euro im Monat kostet das Quartier, das sich vierzig Flüchtlinge teilen. Manche leben wochenlang hier, andere Monate. Sie suchen sich Hilfsjobs oder betteln – bis sie Geld genug haben und einen Schleuser finden, der sie durch die Sahara bringt. Seit der Niger 2016 auf Druck der Europäischen Union begonnen hat, die Migrationsrouten zu schließen, ist das Geschäft mit Sahara-Durchquerungen schwierig. Ein Gesetz stellt alles unter Strafe, was den Transport von Flüchtlingen Richtung Norden unterstützt. Wer sie befördert, riskiert bis zu dreißig Jahre Haft oder Geldbußen bis 45 000 Euro. Im Gegenzug erhält der Niger von der EU bis 2020 rund eine Milliarde Euro: viel Geld für das heiße, trockene Land im Sahel. Der Versuch, den Flüchtlingsstrom nach Europa abzuschneiden, ist indes nur teilweise gelungen. »Täglich kommen neue Migranten«, sagt Ahmed Bagouche. »Täglich gehen welche. Sie verschwinden in der Nacht.« Nur Schleuser und Flüchtlinge kennen die Zeit und den Ort, an dem die riskante Passage durch die Sahara beginnt.

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