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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2018
Hitze-Schock
Wie Landwirte und Verbraucher jetzt umsteuern müssen
Der Inhalt:

Revolte in der Kirche?

von Britta Baas vom 27.08.2018
Die »68er«: Das sind auch Christinnen und Christen. Sie verändern die Welt – und ihre Kirchen. Es ist ein Kampf mit harten Bandagen. Entschieden ist er bis heute nicht
14. April 1968, Berlin, Demonstranten mit Kreuzen im Strahl der Wasserwerfer: Nach dem Anschlag auf Rudi Dutschke halten die öffentlichen Proteste an. Bei dieser Demo am Ostersonntag sind es über 2500 Ostermarschierer und Angehörige der außerparlamentarischen Opposition, die mehr Demokratie und einen grundlegenden Wandel der Gesellschaft  fordern. (Foto: pa/Giehr)
14. April 1968, Berlin, Demonstranten mit Kreuzen im Strahl der Wasserwerfer: Nach dem Anschlag auf Rudi Dutschke halten die öffentlichen Proteste an. Bei dieser Demo am Ostersonntag sind es über 2500 Ostermarschierer und Angehörige der außerparlamentarischen Opposition, die mehr Demokratie und einen grundlegenden Wandel der Gesellschaft fordern. (Foto: pa/Giehr)

Hat die 68er-Bewegung Christen und Kirchen verändert? Und haben Christen und Kirchen die Bewegung beeinflusst? Beides ist richtig. Exemplarisch steht dafür das Politische Nachtgebet in Köln. Das spätere Theologenpaar Dorothee Sölle und Fulbert Steffensky mischt sich zusammen mit anderen in die politischen Streitfragen der Zeit ein. Es geht um den Vietnamkrieg, die Militärdiktatur in Griechenland und den Schwangerschaftsabbruch nach Paragraph 218. Steffensky erinnert sich: »Wir waren jung und es galt: ›Viel Feind, viel Ehr!‹ Es war zum ersten Mal der Gedanke: Die Kritik an gesellschaftlichen Zuständen muss auch ein Thema des Gebetes, des Gottesdienstes sein.«

Konfessionelle Grenzen spielen für die ’68er keine Rolle mehr – und doch sind Katholiken und Protestanten in diesem Jahr voneinander zu unterscheiden. Jene Katholikinnen und Katholiken, die sich als Teil der Bewegung fühlen, setzen vor allem die Inspiration des Zweiten Vatikanischen Konzils um, das 1965 zu Ende gegangen war. Sie besinnen sich auf die Welt, die Armen, ihr eigenes Gewissen. Sie fühlen sich beflügelt vom Aufbruchskonzil. Mut und Wut führen sie in den Protest auf der Straße – und in der Kirche. Der Kampf zwischen vorkonziliaren Bewahrern und den »68ern« ist live zu erleben. Bis heute ist er nicht entschieden. Der Katholizismus schwankt zwischen Aufbruch und Stillstand. Doch die Gegenwart ist geprägt von der 68er-Bewegung. Es gäbe wohl heute kein Kirchenasyl, keinen Gremien-Katholizismus, keine diskursoffene kirchliche Bildungsarbeit ohne sie.

Evangelische Christinnen und Christen bringen ihre politischen Anliegen nicht nur auf die Straße, sondern auf die Kanzel. »Ich nahm als L

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