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kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2018
Hitze-Schock
Wie Landwirte und Verbraucher jetzt umsteuern müssen
Der Inhalt:

Revolte in der Kirche?

Die »68er«: Das sind auch Christinnen und Christen. Sie verändern die Welt – und ihre Kirchen. Es ist ein Kampf mit harten Bandagen. Entschieden ist er bis heute nicht
14. April 1968, Berlin, Demonstranten mit Kreuzen im Strahl der Wasserwerfer: Nach dem Anschlag auf Rudi Dutschke halten die öffentlichen Proteste an. Bei dieser Demo am Ostersonntag sind es über 2500 Ostermarschierer und Angehörige der außerparlamentarischen Opposition, die mehr Demokratie und einen grundlegenden Wandel der Gesellschaft  fordern. (Foto: pa/Giehr)
14. April 1968, Berlin, Demonstranten mit Kreuzen im Strahl der Wasserwerfer: Nach dem Anschlag auf Rudi Dutschke halten die öffentlichen Proteste an. Bei dieser Demo am Ostersonntag sind es über 2500 Ostermarschierer und Angehörige der außerparlamentarischen Opposition, die mehr Demokratie und einen grundlegenden Wandel der Gesellschaft fordern. (Foto: pa/Giehr)

Hat die 68er-Bewegung Christen und Kirchen verändert? Und haben Christen und Kirchen die Bewegung beeinflusst? Beides ist richtig. Exemplarisch steht dafür das Politische Nachtgebet in Köln. Das spätere Theologenpaar Dorothee Sölle und Fulbert Steffensky mischt sich zusammen mit anderen in die politischen Streitfragen der Zeit ein. Es geht um den Vietnamkrieg, die Militärdiktatur in Griechenland und den Schwangerschaftsabbruch nach Paragraph 218. Steffensky erinnert sich: »Wir waren jung und es galt: ›Viel Feind, viel Ehr!‹ Es war zum ersten Mal der Gedanke: Die Kritik an gesellschaftlichen Zuständen muss auch ein Thema des Gebetes, des Gottesdienstes sein.«

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 16/2018 vom 24.08.2018, Seite 28
Hitze-Schock
Hitze-Schock
Wie Landwirte und Verbraucher jetzt umsteuern müssen

Konfessionelle Grenzen spielen für die ’68er keine Rolle mehr – und doch sind Katholiken und Protestanten in diesem Jahr voneinander zu unterscheiden. Jene Katholikinnen und Katholiken, die sich als Teil der Bewegung fühlen, setzen vor allem die Inspiration des Zweiten Vatikanischen Konzils um, das 1965 zu Ende gegangen war. Sie besinnen sich auf die Welt, die Armen, ihr eigenes Gewissen. Sie fühlen sich beflügelt vom Aufbruchskonzil. Mut und Wut führen sie in den Protest auf der Straße – und in der Kirche. Der Kampf zwischen vorkonziliaren Bewahrern und den »68ern« ist live zu erleben. Bis heute ist er nicht entschieden. Der Katholizismus schwankt zwischen Aufbruch und Stillstand. Doch die Gegenwart ist geprägt von der 68er-Bewegung. Es gäbe wohl heute kein Kirchenasyl, keinen Gremien-Katholizismus, keine diskursoffene kirchliche Bildungsarbeit ohne sie.

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Evangelische Christinnen und Christen bringen ihre politischen Anliegen nicht nur auf die Straße, sondern auf die Kanzel. »Ich nahm als Lektion mit: Wenn du Predigten schreibst, musst du nicht nur die Bibel lesen, sondern auch die Zeitung«, erinnert sich Pfarrer Friedrich Gehring, ein Alt-68er. Man startet einen »frontalen Angriff auf die herrschende Theologie«, löst sich von einem autoritären Gott und pfeift auf »bürgerliche Religion«. Konflikte mit »Bewahrern« folgen auf dem Fuß; sie prägen – in manchen Fällen brechen sie auch – Biografien. Und in der DDR? Die »Kirche im Sozialismus« sucht in dieser Zeit ihren Weg zwischen Widerstand und Diplomatie. Aus der – vorwiegend evangelischen – christlichen Bewegung für Frieden und einen »Sozialismus mit menschlichem Antlitz« nährt sich 1989 die Friedliche Revolution. Dank der Sympathie von West-’68ern wird die Bewegung früh auch in der Bundesrepublik bekannt.

Und heute? Kirchengemeinden sind Orte politischer Diskussion: über grassierenden Rechtspopulismus, Umweltthemen, Integration und Emanzipation. Das hat mit ’68 zu tun. Mit dem Jahr, das so vieles veränderte.

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Heidrun Meding
28.08.201817:54
In der katholischen Kirche ist die 68er-Revolte leider lautlos verklungen.
Es gab diese Revolte - zumindest auf der offiziellen kirchlichen Seite - bislang nicht.
Dabei wäre es dringend notwendig, diesen Augiasstall "Katholische Kirche" zunächst grundlegend zu säubern, denn das gesamte amtskirchliche Gebilde besteht - wie wir jetzt alle wissen - aus Vertuschung und Heuchelei. Da wurden pädophile Kinderschänder von vorgesetzter Stelle gedeckt und geschont, und das nur, um weiteren Schaden von der katholischen Kirche abzuwenden.
Dabei ist der entstandene Schaden jetzt, nach dem Bekanntwerden der Straftaten, viel größer als seinerzeit, als man konsequent hätte handeln können und die "Schwarzen Schafe" aus dem kirchlichen Dienst entfernt worden wären.
Aus meiner Sicht geht die Existenz der katholischen Amtskirche zunehmend ihrem Ende entgegen. Einen Teil des kirchlichen Erbes dürfte beispielsweise die Priesterbruderschaft Pius IX. (sogenannte Pius-Brüder) antreten. Das war`s dann.
Ullrich Walter
28.08.201812:31
Es ist zwar für den Westen ein wichtigstes Jahr aber dennoch nicht das all entscheideste Jahr.

1968 hatten wir im Osten andere Dinge und Sorgen. In der damaligen CSSR marschierte fast der komplette Ostblock ein, Schüsse und Tote in Prag. Und der Westen sah zu, wie 1956 in Ungarn und 1953 in der DDR.

Die Evang. Kirche gab dem Druck durch das SED-Regmie nach und gründete den Bund der Evang. Kirchen in der DDR. Und noch schlimmer, propagierte "Kirche im Sozialismus", was keiner verstand. Pfarrer Büskewitz verbrannte sich in Zeitz.

Und die alte Bundesrepublik demostrierte, sie durften es, der Osten nicht. Und was geschah? Aus einem kleinem Teil enstand die RAF, die mit Anschlägen und Entführungen und Morden durch die Bundesrepublik zog bis fast 1990-Jahre. Von daher sollte man das Jahr 1968 viel kritischer betrachten und vorallem die Ergebnisse.
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