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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2018
Hitze-Schock
Wie Landwirte und Verbraucher jetzt umsteuern müssen
Der Inhalt:

»Wir sind die linken Frommen«

1968 und die Katholiken: Vom Aufstand gegen das Pillenverbot bis zur christlichen Guerilla in Lateinamerika

Hengsbach! Wir kommen! Wir sind die linken Frommen.« Dieser von Hunderten skandierte Schlachtruf der »Kritischen Katholiken« auf dem 82. Deutschen Katholikentag in Essen bildet gleichsam das Kernwort im deutschen Katholizismus für das turbulente Jahr 1968. International, in der katholischen Weltkirche, findet der spöttische deutsche Hengsbach-Sprechchor seine Entsprechung in der abschätzigen Rede vom »Pillenpaule«. Ähnlich wie der konservative, dem Opus Dei nahestehende Ruhrbischof Franz Hengsbach hatte in Rom Papst Paul VI. wegen seines Verbots der Antibabypille und weiterer, sogenannter künstlicher Mittel zur Empfängnisverhütung im Kirchenvolk massiv an Respekt verloren.

»Die Zeiten änderten sich«, sagt der 92 Jahre alte Theologe und ehemalige Publik-Forum-Herausgeber Heinrich Missalla. Er hat damals als junger Priester des Bistums Essen und christlicher Friedensaktivist den aufregenden Katholikentag mitgestaltet. Das Großtreffen wurde von über 100 000 Menschen besucht. Einige wenige Gäste kamen aus Ostdeutschland. Vor dem Epochejahr 1968 war der Umgang mit Bischöfen und kirchlichen Autoritätspersonen stets äußerst ehrerbietig gewesen. Doch jetzt endete bei den Gläubigen der Brauch, als Zeichen der Ergebenheit bei einer Begrüßung den Bischofsring des Oberhirten zu küssen.

Das Jahr 1968 hatte im deutschen Katholizismus seine eigene Dramaturgie.

Mai: Die deutsche Studentengemeinde in Paris und ihr Pfarrer, der junge Priester Fritz Stahl aus dem Erzbistum Paderborn, waren bei den Pariser Mai-Aufständen dabei. Ihre Berichte von der Revolte der Studierenden schwappten herüber zu Gemeinden in Deutschland.