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Mbosa – eine Karriere in Deutschland

vom 15.05.2020
von Iris Gronbach-Lang

Ein junges christliches Paar aus Nigeria machte sich im Jahr 2015 in seinem Geburtsland Nigeria auf, um der Perspektivlosigkeit und der Bedrohung zu entgehen und eine bessere Zukunft in Deutschland zu suchen. Nach gefährlicher und beschwerlicher Reise kamen die beiden über Umwege in unser kleines süddeutsches Dorf, wo aufgrund der »Flüchtlingswelle« einige alte Häuser, die im Besitz der Gemeinde sind, mit geflüchteten Menschen belegt wurden.

Wir hatten einen Kreis von Helfern, die die Menschen anfangs dabei unterstützten, die nötigsten Dinge zu bekommen und sich zurechtzufinden. Der Mann fand eine Arbeitsstelle bei einer Fastfoodkette am anderen Ende unserer Stadt, wohin er mit seinem alten Fahrrad bei Wind und Wetter, auch im Winter und durch den Schichtbetrieb zu verschiedenen Tages- und Nachtzeiten fuhr, um seine Arbeit zu machen. In unserem Dorf wurde dann auch das Kind der beiden, ein Junge, geboren. Als er getauft werden sollte, fragten sie meinen Mann, ob er nicht Taufpate werden wollte, und so bekamen wir schließlich ein weiteres Patenkind. Nach einigem Hin und Her wurde der Asylantrag der jungen Familie abgelehnt, und die beiden jungen Eltern waren sehr verzweifelt.

Die einzige Möglichkeit, hierbleiben zu dürfen, so meinte der Sozialarbeiter, sei, eine Ausbildung in der Altenpflege zu machen, dann würde die Familie zumindest für die Zeit der Ausbildung nicht abgeschoben, und es bestünde eventuell die Chance, dass sie auch nach der Ausbildung in Deutschland bleiben könnten, weil es den Pflegenotstand in den Altenheimen gibt. Gesagt, getan: Der Vater ist nun Altenpflegeschüler, und die Mutter fand eine Arbeit als Reinigungskraft in einem anderen Pflegeheim.

In der Coronakrise sorgte ich mich um unser Patenkind, der so gerne in den Kindergarten geht, und für den die Anregungen und die anderen Kinder dort inzwischen sehr wichtig geworden sind. Ich befürchtete, dass er nun wochenlang alleine mit seiner Mutter in der engen Wohnung verbringen und auf das Spiel und die Freunde verzichten müsste.

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Wie erstaunt, erleichtert und froh waren wir, vom Sozialarbeiter zu erfahren, dass unser Schützling einen der wenigen begehrten Plätze in der Kita-Notbetreuung der Stadt bekommen hatte, da seine Eltern beide in sogenannten »systemrelevanten Berufen« arbeiten. Was für ein erstaunlicher Weg von abgelehnten Asylbewerbern zu systemrelevanten Bürgern, die die Infrastruktur in unserem Land aufrechterhalten! Eine Geschichte, an der viele Dinge sichtbar werden! Wir hoffen nun sehr, dass diese »Systemrelevanz« unserem kleinen Patenjungen und seinen Eltern auch zukünftig dauerhaft dazu verhelfen wird, ein gutes und glückliches Leben in Deutschland zu führen.

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Alle Beiträge des Erzählprojektes »Die Liebe in Zeiten von Corona«

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