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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2014
Gebt den Kindern das Spiel zurück!
Wie fairer Fußball geht
Der Inhalt:

Luther und die Selbst-Suche

von Christoph Fleischmann vom 22.06.2014
Worin liegt das Glück? Sich ganz auf sich selbst zu konzentrieren – oder gerade frei zu werden von der Fixierung auf sich selbst? Der Glaube des Reformators ist auch heute noch anregend, findet Christoph Fleischmann
Wer bin ich geworden - und wie? Mit Luther lässt sich lernen, eine Haltung der Dankbarkeit zu finden. (Foto: Barraud/Ocean/Corbis)
Wer bin ich geworden - und wie? Mit Luther lässt sich lernen, eine Haltung der Dankbarkeit zu finden. (Foto: Barraud/Ocean/Corbis)

Zu Beginn seiner Erzählung »Demian« schreibt der große Selbst-Sucher Hermann Hesse: »Das Leben jedes Menschen ist ein Weg zu sich selber hin, der Versuch eines Weges, die Andeutung eines Pfades. Kein Mensch ist jemals ganz und gar er selbst gewesen; jeder strebt dennoch, es zu werden, einer dumpf, einer lichter, jeder wie er kann; […] jeder strebt, ein Versuch und Wurf aus den Tiefen, seinem eigenen Ziele zu.«

Hesse inspiriert bis heute immer wieder Menschen auf ihrem Weg in die Welt – und er rät, dabei vor allem auf sich selbst zu hören: »Ich war ein Suchender und bin es noch, aber ich suche nicht mehr auf den Sternen und in den Büchern, ich beginne die Lehren zu hören, die mein Blut in mir rauscht.«

Liegt darin das Ziel, das Glück und die Erlösung des Menschen, dass er ganz er selber oder ganz authentisch wird, wie man es heute nennt? Oder ist es genau umgekehrt? Liegt das Glück eher darin, frei von der Fokussierung auf sich selbst zu werden und damit frei zu werden für andere, für die Welt, für »das Leben«, das alle und alles verbindet?

Die Perspektive, die das eigene Ich zurückstellt zugunsten anderer und/oder Gottes, scheint von den meisten Religionen favorisiert zu werden. Am radikalsten hat dies vielleicht der Buddha in die Lehre gefasst, dass das, was die Menschen sich als »Ich« vorstellen, nur eine Illusion sei, von der man freikommen müsse: »Körperlichkeit ist unbeständig, Gefühl ist unbeständig, Wahrnehmung ist unbeständig, Aktivitäten sind unbeständig, bewusst werden ist unbeständig.«

Alles sei im Werden und Vergehen, sagt Buddha, nichts von dem, was die Menschen als ihr Selbst ansähen, konstituiere sie wirklich: »Körperlichkeit ist Nicht

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