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Kardinals-Schach

von Thomas Seiterich vom 14.01.2014
Bei seinem ersten Konsistorium – der Ernennung von neuen Kardinälen – suchte Franziskus zwar keine Frauen aus. Doch der Papst steht wenigstens für eine andere Neuerung: Er verstärkte gezielt das Gewicht der Kirchen der Dritten Welt. Dass auch der in Deutschland als konservativer Hardliner umstrittene Gerhard Ludwig Müller Kardinal wird, hat vatikan-politische Gründe. Franziskus ist ein geschickter Schachspieler
Groß, stark und im Zweifel knallhart: Gerhard Ludwig Müller (rechts), Chef der mächtigen römischen Glaubensbehörde, ist für Papst Franziskus (links) eine wichtige Figur im Vatikan-Schachspiel. Als die beiden sich im April 2013 offiziell trafen - unser Bild - war Franziskus bereits entschieden: Er würde Müller im Amt lassen.
Groß, stark und im Zweifel knallhart: Gerhard Ludwig Müller (rechts), Chef der mächtigen römischen Glaubensbehörde, ist für Papst Franziskus (links) eine wichtige Figur im Vatikan-Schachspiel. Als die beiden sich im April 2013 offiziell trafen - unser Bild - war Franziskus bereits entschieden: Er würde Müller im Amt lassen.

Es hat auffällig lange gedauert: Zwanzig Monate nach seiner Ernennung zum zweitmächtigsten Amts-Chef in der römischen Kurie wird Gerhard Ludwig Müller, der Präfekt der vatikanischen Glaubensbehörde, zum Kardinal ernannt. Der ein Meter neunzig große, gelernte Dogmatik-Professor Müller stammt aus dem katholischen Milieu im Bistum Mainz. Sein Vater arbeitete bei Opel in Rüsselsheim am Band. Den Titel »Krawall-Bischof« erwarb sich Müller als Oberhirte des Bistums Regensburg, in dem er als Ortsbischof rüde und Regeln verletzend mit dem gewählten Gremien in der Diözese umsprang. Allerdings bekämpfte der Rabauke Müller auch beinhart die Lefebvre-Traditionalisten, für die der Retro-Papst Benedikt XVI. eine fatale Schwäche hatte.

Gerhard Ludwig Müller erhält das Kardinals-Birett

Müller steigt von Amts wegen auf – ebenso automatisch wie der progressive Pietro Parolin, den Papst Franziskus zum Kardinalstaatssekretär machte, zum Politikchef des Vatikans. Dasselbe gilt für Beniamino Stella, dem an der Spitze der mächtigen und finanzstarken Kleruskongregation ein rechtskonservativer Vorgänger weichen musste (der von Franziskus im Herbst aufs römische Abstellgleis geschoben wurde), und für Lorenzo Baldisseri. Ihn hat Franziskus dazu ausersehen, aus der bisher undialogischen Weltbischofssynode künftig ein echtes Ratschlag- und Debattengremium für die Kirche zu machen.

Weshalb hält Papst Franziskus an Müller als Glaubens-Chef fest? Müller passt nicht gut zu Franziskus, denn Müller stammt voll und ganz aus der alten Zeit, dem Ancien Regime des Bayernpapstes Benedikt. Papst Franziskus und Müller sind theologisch, seelsorglich und was

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