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Ich bin bereit mich zu ändern

vom 10.06.2020
von Karl-Heinz Neubert, Denkendorf

Eigentlich habe ich wenig Angst, und auch die Nöte halten sich in Grenzen. Ich sitze auf unserer Terrasse, schreibe diesen Bericht bei herrlichem Sonnenschein, und eine Amsel auf unseren großen Tannenbäumen in unserem Garten pfeift dazu und verstärkt meine gute Laune.

Jetzt will ich der Einfachheit halber Ihre Fragen beantworten:

Wie hat Corona mein Leben verändert?
Natürlich fehlen mir gegenseitige Besuche und Gespräche, Veranstaltungen und geplante Treffen. Keine körperlichen Berührungen, nicht einmal ein Händedruck mit Bekannten und Freunden. Als Rentner geht es mir eigentlich gut, obwohl meine Frau und ich beide zu den besonders gefährdeten Personen zählen. Ich lese weiter täglich Zeitung zum Frühstück, habe kein Handy. Kann also ungestört lesen und frühstücken. Ich habe genug zu essen und zu trinken, und meine Frau Ingrid kocht für uns das tägliche Mittagessen. Ich pflege und genieße unseren kleinen, aber hübschen Garten. Wir verpassen keine Nachrichten zum aktuellen Stand der Coronakrise. Sonntag war ich zum ersten Mal wieder bei einer katholischen Messe unter Schutzvorschriften. Anmeldung in einer Liste mit Namen und Telefonnummer, Desinfektion der Hände beim Kircheneintritt statt Weihwasser, angewiesene Plätze in jeder zweiten Bank mit zwei Metern Abstand. Erwünschter Nasen- und Mundschutz. Die Kommunion (Hostien) wird vom Pfarrer auch mit Maske und Zängchen ausgeteilt, schon alles ungewohnt. Was mir am meisten fehlt, ist der Gesang, und die Gesangbücher sind wegen Ansteckungsgefahr weggeräumt. Und ich singe gern und sang über fünfzig Jahre als Tenor im Kirchenchor.

Wie halten wir Verbindung zu unseren Kindern, Enkeln und Verwandten?
Einer unserer beiden Söhne (51) wohnt mit seiner Familie (Frau und zwei Kindern) bei uns im Haus. Sie kaufen für uns ein und helfen uns, wenn wir sonstige Hilfe brauchen. Wir vertragen uns gut. Die Enkelin (Lisa, 21) studiert und Tom (20) ist Azubi. Obwohl er im Haus wohnt, sehen wir ihn wenig. Am Sonntag schrieb ich meinen vier Geschwistern am Ort (zwei Brüder und zwei Schwestern) eine schöne Karte und berichtete ihnen einiges über die gegenwärtige Situation. Ich nannte ihnen das Positive der Coronazeit: Viel Zeit zum Nachdenken über sich und die Menschheit, viel Ruhe (keine Flugzeuge – wir wohnen in der Einflugschneise des Flughafens), viel Spaziergänger und Radfahrer und wenig Autos und weniger Lärm. Mein Schwager lud uns zu seinem 80. Geburtstag am Ort in ein Restaurant ein, er erhielt aber eine Absage. Er ist sehr traurig, denn wir feiern gern (30 Personen).

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Mein eigenes Gebet
Lieber Gott, es tut mir leid, dass wir mit deiner Schöpfung, Erde Himmel und den Menschen und Tieren so sündhaft umgehen; dass steigender Wohlstand für uns wichtiger ist als Menschlichkeit, Rücksicht auf die Natur auf der Erde und in der Luft und im Wasser. Immer mehr Naturfläche wird zubetoniert, weil wir immer mehr Wohnraum brauchen. Statt Blumen und Sträucher um unsere Häuser anzulegen und zu pflegen, legen wir Steine um das Haus. Der Wald wird immer mehr abgeholzt, die Flüsse und Seen werden verschmutzt durch immer mehr Abfälle und Chemikalien.
Ich glaube, die Natur schlägt mit Recht mit dem Virus zurück, um uns Menschen zur Besinnung zu bringen. Ich bin bereit, mich zu ändern und dafür Opfer zu bringen. Lieber Gott, bitte verzeihe uns sündigen Menschen.

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Alle Beiträge des Erzählprojektes »Die Liebe in Zeiten von Corona«

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