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High Noon in Rom

von Thomas Seiterich vom 04.10.2015
Heute beginnt die mit Spannung erwartete Familiensynode: Franziskus steht am Scheidepunkt. Konservative Bischöfe und zukunftsorientierte Öffner stehen einander schroff gegenüber. Roms Reaktion auf das aktuelle Coming-out des schwulen Priesters Krysztof Charamsa lässt den Konflikt krass zutage treten. Wird die Synode zu einem Fehlschlag, wäre das für den Papst die große, innerkirchliche Niederlage
Der Vatikan: Ab dem 4. Oktober 2015 findet hier die Weltfamiliensynode statt. Noch sieht's ja ganz sonnig aus ... (Foto: refresh/PIX/Fotolia)
Der Vatikan: Ab dem 4. Oktober 2015 findet hier die Weltfamiliensynode statt. Noch sieht's ja ganz sonnig aus ... (Foto: refresh/PIX/Fotolia)

Sein Coming-out hatte er wohlplatziert: Krysztof Charamsa, katholischer Priester, Mitarbeiter der römischen Glaubensbehörde, offenbarte seine Homosexualität am Wochenende über die Medien. Zur Pressekonferenz in Rom, die Interviews mit ihm in italienischen und polnischen Zeitungen folgte, hatte er seinen Lebenspartner gleich mitgebracht.

Er wolle klar machen, dass es viel mehr schwule Priester gebe als die Welt glaube, sagte Charamsa. Das müsse jetzt, zu Beginn der Weltsynode über Sexualität und Partnerschaftsfragen, endlich berücksichtigt werden. In der Glaubensbehörde, geführt von Kardinal Gerhard Ludwig Müller, habe er sich nur noch unwohl gefühlt. Müller sei »das Herz der Homophobie der Kirche«. Offensichtlicht, dass der 43-jährige, attraktiv und dynamisch wirkende Charamsa seine berufliche Zukunft nicht mehr in der Glaubensbehörde sucht. Die hatte ihn sowieso unmittelbar nach Erscheinen der Zeitungsinterviews herausgeworfen. Da konnte Charamsa also nicht mehr viel falsch machen.

Die zwei Lager

Das Thema Homosexualität soll allerdings, geht es nach den Synodenvätern, bei der insgesamt dreiwöchigen Beratung nur eine Nebenrolle spielen, Ob das jetzt noch gelingt? In der Frühphase der entscheidenden Weltbischofssynode über die Familie in Rom sammeln sich Befürworter und strikte Gegner einer weltoffenen Familienpolitik. Rund 250 Bischöfe sind stimmberechtigt. Dazu wurden noch fünfzig Laien als nicht stimmberechtigte Beraterinnen und Berater berufen, unter ihnen das seit vierzig Jahren verheiratete deutsche Ehepaar Petra und Aloys Buch. In die entscheidende Meinungsschlacht werden die Laien wohl kaum eingreifen.

Zwei Lager stehen sich in der römis

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