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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2018
Der Mord und der Westen
Der Fall Saudi-Arabien: Handel, Macht und Menschenrechte
Der Inhalt:

Göttersturz an der Weichsel

von Jan Opielka vom 16.11.2018
Der Pädophilie-Skandal hat Polen erreicht. Der Film »Kler«, Klerus, konfrontiert die Polen mit ihrem überhöhten Priesterbild – und führt zu Debatten über den Missbrauch in der katholischen Kirche
Unheilige Männer: Szene aus dem Film »Kler«. Die Handlung ist fiktiv, die Missstände sind real (Foto: Mrozowski/Kler)
Unheilige Männer: Szene aus dem Film »Kler«. Die Handlung ist fiktiv, die Missstände sind real (Foto: Mrozowski/Kler)

Alles Verschwörung – rechte Blätter, konservative Politiker und selbst katholische Journalisten sind sich einig: Die liberale Linke und die Macher des Spielfilms »Kler«, übersetzt: Klerus, haben sich gegen die Kirche verschworen. Denn es könne ja kein Zufall sein, dass die Pädophilen-Debatte just mit der Premiere des kirchenkritischen Kassenschlagers von Wojciech Smarzowski zusammenfällt. Während sein Film in manchen Kinos wegen des Andrangs mehr als zwanzig Mal am Tag gezeigt wird, boykottieren ihn etliche Kommunen in ihren stadteigenen Kinos. Im regierungsgelenkten Staatsfernsehen TVP spricht man von »angeblichen Eliten, die die katholische Kirche angreifen« – und vom deutschen Springer-Konzern, der den Film durch seine Medien »promote«.

Die Opfer haben in Polen einen schweren Stand

Die Achse des zweistündigen Streifens bilden die miteinander verwobenen Lebensläufe von vier Geistlichen – einem Pädophilen, einem Zölibatsbrecher, einem amoralischen Vatikan-Karrieristen sowie einem zynischen, geldgierigen Erzbischof. Obwohl der Film nicht an drastischen und radikalen Szenen spart, haut Smarzowski nicht einfach auf die Priesterkaste drauf. Nach und nach lässt er den Zuschauer tief in die Lebens- und Seelengeschichte seiner Protagonisten blicken. Es sind Menschen, die wie alle anderen mit den Brutalitäten und Verlockungen des Lebens ringen – und auf verschiedene Weise vom Priesterberuf samt seiner Hierarchie angezogen werden. Zwei von ihnen sind als Kind selbst Opfer beziehungsweise verstörte Zeugen von Missbrauch gewesen. In radikalen, teils humorvollen, teils überspitzten Bildern wirft der Regisseur auch die Frage auf, wieweit die Gläubigen stillschweigend zu der über

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