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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2017
Kein Land in Sicht
Im Mittelmeer steckt Europa in einem moralischen Zwiespalt
Der Inhalt:
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Gläubig sind immer die anderen

von Dirk Pilz vom 08.09.2017
Das deutschsprachige Theater macht es sich sehr einfach mit der Religion. Warum eigentlich?
Eine Ausnahme in der Theaterlandschaft: Das Stück »Martinus Luther«, hier  im Münsteraner Stadttheater, bietet eine differenzierte Auseinandersetzung mit Glauben und Religion  (Foto: Oliver Berg/Theater Münster)
Eine Ausnahme in der Theaterlandschaft: Das Stück »Martinus Luther«, hier im Münsteraner Stadttheater, bietet eine differenzierte Auseinandersetzung mit Glauben und Religion (Foto: Oliver Berg/Theater Münster)

Anfang des Jahres hat Jette Steckel am Deutschen Theater Berlin eine Inszenierung unter dem Titel »10 Gebote« uraufgeführt. Das Stück versammelte elf kürzere, sehr unterschiedliche Texte gegenwärtiger Dramatiker und Theaterautorinnen, die sich an Assoziationen zum Dekalog versuchten. Dazu ein elftes Gebot, in dem der Herrgott im Puschelkostüm auftrat. Ein putziger Geselle, der sein Tun und Schaffen bereut: »Ihr seid die maximale Sackgasse!«, rief er den Zuschauern zu. »Wieso habe ich Euch zu solchen Freaks gemacht?« Das ist lustig, Gottesselbstbemitleidungen waren immer schon unterhaltsam. Der besondere Witz dieses Gottes-Monologs war dabei, dass er ein Gebot für den Schöpfer formulierte: »Du sollst dich nicht verheben.«

Religion – eine Sache für Einfaltspinsel?

Das hätte sich dieser Abend selbst ins Regiebuch schreiben sollen. Denn über die Zehn Gebote, ja über Religion allgemein weiß er einzig Oberflächliches zu versammeln. Aufschlussreich ist bereits der Untertitel der Inszenierung: »eine zeitgenössische Recherche«. Wer recherchiert, hat einen Anfangsverdacht. Hier lautet er, Religion sei Statthalter für Gewalt und falsche Hoffnungen, für schiefe Illusionen und schräge Biografien. Wer so nach dem Religiösen fragt, wird finden, was er zu suchen wünscht: dass Religion Sache von Einfaltspinseln und Sonderlingen ist, dass Gläubige ein Hinterwäldler-Land bewohnen, in dem sie ihren vormodernen Riten und vernunftfeindlichen Vorlieben nachgehen. Als wäre Religion bloßes Relikt einer diffusen Vormoderne, nichts als ein Brei aus Irrationalitäten und Schrullen. Von den Unterschieden zwischen Offenbarung und Prophetie, Abraham und Mose, Gebot und Gesetz, Evangelium und Geschi

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