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vom 22.08.2020
von Christiane August, Köln

Ich stelle mir vor:
Corona ist eine seltene Vogelart. Sie fliegen in Schwärmen, himmelhoch über das Meer, bunte, kleine sehr fröhliche Wesen, leicht wie Schnee. Sie tragen, wie die Kraniche, auf ihren Köpfchen eine kleine Federkrone.

Oder Corona ist ein Gebäck!
Etwas Zartes, das einem auf der Zunge zergeht und ein Glücksgefühl hinterlässt. Man geht in die Konditorei und kauft in knisternden Tütchen 200 Gramm Corona mit einem zartbitteren oder weißen Schokokrönchen verziert.

Vielleicht ist Corona auch ein Frosch?
Der aus dem Märchen. Der mit der Krone! Er taucht nach der goldenen Kugel der Prinzessin, aber er erntet nur Undank dafür, wie wir ja alle wissen.

Nein, Corona ist eine kleine tapfere Alpenpflanze.
Sie steht mit nickendem Köpfchen im Hochgebirge und leuchtet goldgelb. Windzersaust, erinnert sie an ein Krönchen, das über dem Abgrund schwebt. Man darf sie niemals pflücken.

Papier!
Edles, duftendes Papier, nach alter Tradition geschöpft, dick wie ein Altartuch. Das eingeprägte Wasserzeichen zeigt eine Krone. Darauf zu schreiben überrascht einen selbst, wie schön doch die eigene Handschrift ist.

Corona ist eine kleine sturmerprobte Melodie,
gepfiffen im dunklen Wald, gesungen von den Vormüttern und Vorvätern der Symphonien, verarbeitet von – sagen wir mal – Tschaikowsky oder Bartok.

Zuletzt müssen wir uns dem stellen, was es ist.
Ein neues Wort für uns, eine Krankheit, die an der Ewigkeit kratzt und Spuren der Verwüstung hinterlässt.
Was kann da helfen, außer die Liebe zum Leben.

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Alle Beiträge des Erzählprojektes »Die Liebe in Zeiten von Corona«

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