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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 15/2012
Erotisches Begehren
Die Sehnsüchte der Menschen und die katholische Sexualmoral
Der Inhalt:

Erotisches Begehren

von Theresia Heimerl vom 11.08.2012
Aktuelle Sex-Bestseller zeigen: Die menschliche Sexualität ist nicht immer ein harmloses Vergnügen. Doch diese Einsicht rechtfertigt keine kirchliche Verbotsmoral
Erotik-Shop in Florida, USA: Sex-Spielzeug wird sehr viel häufiger nachgefragt, seit der britische Skandalroman 50 Shades of Grey auf dem Markt ist. (Foto: pa/dussault)
Erotik-Shop in Florida, USA: Sex-Spielzeug wird sehr viel häufiger nachgefragt, seit der britische Skandalroman 50 Shades of Grey auf dem Markt ist. (Foto: pa/dussault)

Liebe tut weh. Mit dieser fundamentalen Erkenntnis lassen sich nicht nur Popsongs schreiben, sondern auch Bestseller verkaufen, wie der jüngste »Skandalroman« 50 Shades of Grey der britischen Autorin E. L. James gerade wieder trefflich illustriert. Liebe, Erotik, Begehren und expliziter Sex sind allen Naturalisierungs- und Befreiungsversuchen zum Trotz Themen, die niemanden kaltlassen, die vielmehr alle erdenklichen emotionalen Reflexe vom Ekel bis zur Wonne hervorrufen und selbst in Sprache gebracht noch erregen.

Ein Bereich, der den ganzen Menschen erfasst – muss er nicht auch ein Thema für die christliche Theologie sein? Das menschliche Begehren war spätestens seit den Paulus-Briefen Thema der innerchristlichen Auseinandersetzung, und zwar so oft und so sehr, dass viele meinen, man sollte es nun lieber lassen. Zumal, nachdem sich insbesondere die katholische Kirche mit dem päpstlichen Lehrschreiben Humanae vitae einerseits – in ihm wurden künstliche Methoden der Empfängnisverhütung verboten – und erschreckenden Missbrauchsskandalen andererseits als höchst fragwürdige Instanz in sexualibus erwiesen hat.

Gleichzeitig ist der Bedarf nach reflektiertem Sprechen über Sexualität in all ihren Formen nicht kleiner geworden. Es scheint sich vielmehr ein Leerraum aufzutun zwischen der allgegenwärtigen visuellen Erotik und dem Exhibitionismus verschiedener medialer Formate einerseits sowie den unerfüllten, sprachlich zwischen Kitsch, Derbheit und Umschreibung schwankenden Sehnsüchten vieler Menschen andererseits, hinter denen der Wunsch nach einem undefinierbaren »Mehr« steht, an dem sogar der Protagonist von »50 Shades of Grey« letztlich scheitert.

Doch

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