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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2015
Der Kult ums Essen
Ernährung zwischen Lebensstil und Religionsersatz
Der Inhalt:

Die Querdenkerin

von Johanna Jäger-Sommer vom 10.07.2015
Ihre Forschung hat internationales Renommee. Trotzdem bekam Regina Ammicht Quinn nie einen theologischen Lehrstuhl. Katholische Bischöfe gaben ihr nicht mal eine Begründung dafür. Heute leitet sie das Internationale Zentrum für Ethik in den Wissenschaften an der Tübinger Universität
Regina Ammicht Quinn: Der Sprung von der Moraltheologin zur Sozialethikerin als Leiterin des Tübinger Zentrums für Ethik in den Wissenschaften fiel ihr nicht schwer: »Eine Theologie, die von ewigen Wahrheiten ausgeht, die sie auf die Menschen herabsenkt, war nie mein Fall«, sagt sie (Foto: pa/Anspach)
Regina Ammicht Quinn: Der Sprung von der Moraltheologin zur Sozialethikerin als Leiterin des Tübinger Zentrums für Ethik in den Wissenschaften fiel ihr nicht schwer: »Eine Theologie, die von ewigen Wahrheiten ausgeht, die sie auf die Menschen herabsenkt, war nie mein Fall«, sagt sie (Foto: pa/Anspach)

Theologie von außen« muss die katholische Sozialethikerin Regina Ammicht Quinn betreiben. So erklärt sie, was sie beruflich tut, als sie Anfang März 2015 in Luzern mit dem Herbert-Haag-Preis für Freiheit in der Kirche ausgezeichnet wird. Nicht, dass sie aus der Kirche ausgetreten wäre. Oder ihren Glauben an den Nagel gehängt hätte. Aber die strukturelle Arbeit an der Weiterentwicklung der Kirche könne und wolle sie nicht mehr leisten, sagt Ammicht Quinn. Schließlich habe man sie ja aus dieser Kirche herausgedrängt.

Zweimal sollte Ammicht Quinn eine Professur für Moraltheologie erhalten und stand dabei ganz oben auf den universitären Wunschlisten: im Jahr 2000 in Augsburg und drei Jahre später in Saarbrücken. Doch die damals zuständigen Bischöfe Viktor Josef Dammertz und Reinhard Marx verweigerten ihr das Nihil obstat (»Nichts steht dagegen«), also die kirchliche Lehrerlaubnis. Ohne Angabe von Gründen. Das fand Regina Ammicht Quinn besonders traurig: »Nicht einmal die Wertschätzung, dass man sich mit meinen theologischen Texten auseinandergesetzt hat, habe ich bekommen. Sondern einfach nur: Daumen nach unten.« Zwar sieht sie gerade in diesem bischöflichen Verzicht auf Argumente, dass es keine theologischen Gründe gab. Aber was dann stehen blieb, schmerzte sie besonders: »In meinen Arbeiten waren keine Häresien zu finden. Da stand nirgendwo: ›Unser Herr ist wahrhaft nicht auferstanden.‹ Es blieb nur so ein ungutes Gefühl, dass sie solche Frauen wie mich nicht haben wollten.«

Zweimal verweigerten Bischöfe ihr die kirchliche Lehrerlaubnis

Solche Frauen wie sie, die über »Körper – Religion – Sexualität« habilitiert ha

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