Dieser Ausdruck entstammt der Darstellung Ihres Browsers. Schöner, weil komplett gestaltet, bekommen Sie den Text ausgedruckt mit einem Digital-Zugang, der noch weitere Vorteile hat. Infos dazu finden Sie unter https://www.publik-forum.de/premium.

Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 

Die Papstkrise

So viel Opposition war nie in der römischen Kurie. Für die einen verändert Papst Franziskus zu wenig. Für die anderen führt sein Kurs der Barmherzigkeit in die Irre

Papst Franziskus ist seit Kurzem achtzig. Er selbst sagt, sein Pontifikat ende vielleicht schneller, als gedacht. Der Aufbruch scheint vorbei. Sein Jahr der Barmherzigkeit, bei dem er allein auf dem Petersplatz in Rom vier Millionen Menschen traf und die Herzen der meisten mit seiner herzlichen Präsenz bewegte, ist zu Ende. Was bleibt? Zeit, eine Zwischenbilanz zu ziehen. Sie fällt – was die Kirchenspitze angeht – bitter aus.

Seine Gegner halten Franziskus für einen Kirchenverderber

Denn im Vatikan tobt ein leiser Stellungskrieg. Eine dermaßen harte, oberkirchliche Opposition gegen einen amtierenden Papst gab es noch nie seit dem 19. Jahrhundert, als sich die römische Kirche beim Ersten Vatikanischen Konzil 1870 neu aufstellte und sich dann Zug um Zug zu einer zentralistischen Weltkirche entwickelte. Die Opposition gegen Franziskus steht innerkatholisch extrem rechts. Sie hält ihn für einen Kirchenverderber. Der Papst aus dem Jesuitenorden verteidige die Lehre nicht. Ja, er verstoße gegen sein Amt und verrate das Depositum Fidei, den überkommenen Glaubensbestand, weil er das Christentum den heutigen Menschen mitsamt ihren Irrtümern anpasse. Lehrmäßig betreibe Franziskus den Ausverkauf zu kleinem Preis. Dies ist der dramatische Kern der Vorwürfe. Bringt man das auf den Begriff, geht es um Häresie, um Verrat am Glauben. Ist der Papst ein Häretiker?

Verkörpert wird die theologische Opposition von vier alten Kardinälen: Walter Brandmüller, Joachim Meisner, Carlo Caffarra und Raymond Leo Burke. Sie stammen allesamt aus der autoritären Zeit der Päpste Wojtyla und Ratzinger. Auch die unbarmherzige Befehls- und Gehorsams-Theologie, die hinter dem Herbst-Brief der vier Kardinäle an Franziskus steckt, stammt aus jener alten Zeit. Darin beschweren sie sich, der Papst verwässere die Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe, weil er die Seelsorger und die Betroffenen entscheiden lasse, ob geschiedene und erneut verheiratete Gläubige zur Kommunion zugelassen werden. Zuletzt hatten die Päpste Johannes Paul II. (1981) und Benedikt (2011) die alte Kirchenlehre eingeschärft, die das Leben dieser Millionen Katholiken als »schwere Sünde« betrachtet.

Vor wirksamen Reformen schreckt der Papst zurück

Und Franziskus? Der Mann ist durch und durch Jesuit. Er stellt sich in die jahrhundertealte, elastische Seelsorgepraxis seines Ordens: Stets hatten die Jesuiten als Beichtväter und Begleiter von Königen und Bürgern in Zeiten harter Lehre mit dem oder der Betroffenen den vorliegenden Einzelfall betrachtet – meist so ausgiebig und so gründlich, bis eine akzeptable Lösung gefunden war. So übersetzten sie die Aristoteles zugeschriebene Tugend der »Epikie« in die pastorale Situation. Als Reformer der Lehre sind die Jesuiten weniger hervorgetreten. Denn mit ihrer Art der Seelsorge konnte man das strenge Lehrgebäude stehen lassen und dennoch leben.

Anzeige

Taizé heute. Das kleine Gleichnis für eine versöhnte Welt

Die Anziehungskraft von Taizé ist auch nach dem Tod des Gründers ungebrochen. Das burgundische Dorf ein Ort kraftvoller ... mehr

Franziskus offenbart mit dieser Haltung Schwäche und Stärke zugleich: Schwäche, weil er vor heißen, rechtlich wirksamen Reformen wie zum Beispiel dem überfälligen Diakonamt für die Frau oder einer Freiwilligstellung der Ehelosigkeit für Priester zaudert. Stärke, weil er unter dem Label Barmherzigkeit mehr Elastizität und Humanität in seinen Tanker Kirche hineindrückt. Doch: Muss man ihm dabei folgen? Hartleibige Konservative tun dies nicht, denn sie beharren auf dem Ausschluss der »Sünder«. Das macht Franziskus zornig und ratlos. Er verweigert den Kritik-Kardinälen die geforderte Antwort. Er sagt stattdessen, sie hätten »nichts begriffen«.

Wut und Ärger zum Jahresende

Wut und Ärger auch bei seiner Programmrede zum Jahresende an die Kurienkardinäle: Reformen seien Zeichen von Vitalität und notwendig. In seltener Schärfe spricht Franziskus von »böswilligen Widerständen« in der Kurie. Die Leitlinie seiner Reform laute »mehr Dialogkultur«. Die Vatikan-Veränderung geschehe nicht »als Schönheits-OP, um die Falten zu entfernen«, sagt Franziskus: »Es sind nicht die Falten, vor denen man sich in der Kirche fürchten muss, sondern die Schmutzflecken.« Oftmals komme die Reformverweigerung »im Schafspelz« daher. »Sie verbirgt sich hinter rechtfertigenden und in vielen Fällen anklagenden Worten und flüchtet sich in Traditionen, Schein, Formalität, in das Bekannte.«

Trotz des anhaltenden Zuspruchs der Massen. Es wird härter für Franziskus.

Kommentare
Der Kommentierungszeitraum für diesen Artikel ist abgelaufen, daher können Sie ihn leider nicht mehr kommentieren.
Norbert Pfaff
29.01.201721:47
Zu dem Artikel von Thomas Seiterich: ich finde da Thema verfehlt. Es geht nicht um eine Papstkrise, sondern um eine Kirchenkrise, speziell um eine Krise dieser 4 alten Kardinäle, die keinen neuen Papst mehr wählen dürfen, und ihre Hintermänner wie möglicherweise Ex-Papst Ratzinger u.a. Kardinal G.L. Müller hat sich von der Veröffentlichung der 4Alten distanziert. Sie sollten nicht eine "Papstkrise" herbeireden, die von den oppositionellen Einst-Mächtigen so gesehen wird. Ob Franziskus klug handelt, wenn er nicht seine ihm als Papst zur Verfügung stehenden Machtmittel ausnutzt oder nicht, wird in der Zukunft entschieden. Jedenfalls setz er offensichtlich darauf, dass sich nicht die Macht, sondern die Kollegialität und Mehrheitsverhältnisse in der Kirche etablieren. Ansonsten kann ich mir sehr gut vorstellen, in verschieden Ländern und Ortskirchen unterschiedliche Strukturen zur Gewinnung von Amtsträgern u.ä zu haben.
Freundliche Grüße
Norbert Pfaff, Mainz / Bad Kreuznach
Mag. Thomas Krug
18.01.201712:48
Ein paar Anmerkungen zu diesem Beitrag: Sie bezeichnen die Opposition gegen den Papst (die er selbst verursachte)als extrem rechts. Begriffe wie links/rechts sind m. E. politische, die man nicht einfach auf die Kirche übertragen kann. Die Bezeichnungen rechtgläubig oder lehramtstreu wären adäquat gewesen. Weiters fällt negativ auf, dass Sie die großen Päpste Johannes Paul II. und Benedikt XVI. despektierlich als "Wojtyla" und "Ratzinger" bezeichnen, diese Diktion erinnert an das Wiener Sektiererblatt "Kirche In", welches Positionen vertritt, die im Widerspruch zur kirchlichen Lehre stehen. Zum Schlagwort "Autoritär" sage ich nur soviel: Kein anderer Papst, den ich erlebte, amtierte dermaßen autoritär wie Franziskus. Steve Jalsevac, ein Mitarbeiter von LifeSiteNews berichtete, dass im Vatikan ein Klima der Angst,ja ein offener Krieg der Progressisten gegen die Rechtgläubigen herrscht. Franziskus täte im Interesse der Kirche jedenfalls gut daran, die Dubia ernst zu nehmen.
Paul Haverkamp
14.01.201710:46
Deutlicher können die Gegensätze nicht ausfallen: Auf der einen Seite die vier Dubia-Reformverweigerer-Kardinäle (sie sind nur die Spitze des Eisbergs in der Kurie) und auf der anderen Seite der vor einigen Tagen von elf Priestern des Bistums Köln in der FAZ veröffentlichte Notruf mit dem eindeutigen Petitum: Die kath. Kirche muss sich reformieren, wenn sie überleben will.

Das Tragische: Dieser Papst hätte juristisch zwar alle Machtinstrumente, um seine Reformvorschläge durchzusetzen, jedoch scheut er vor deren Einsatz zurück. So wird dieses Pontifikat wohl enden mit der Hoffnung der Reformverweigerer, dass in absehbarer Zeit dieser Papst zurücktritt und der neue Papst dann ein Mann ist, der sich eindeutig „profiliert“ als ein Adlatus der „Dubia-Kardinäle“.

Franziskus – eine tragische Figur? Nein – er ist extrem handlungs- und durchsetzungsschwach. Eine Enttäuschung aller Euphoriker, die diesem Papst als „angebeteten“ Reformpapst bislang zugejubelt haben.
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2017
Weckruf für die Welt
Wie weiter unter Donald Trump?
Der Inhalt:
Newsletter bestellen
Melden Sie sich kostenlos für den regelmäßigen Newsletter von Publik-Forum mit aktuellen Neuigkeiten und Zusatzinformationen an.