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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2015
Der große Auszug
Kirchenaustritte: Was jetzt auf dem Spiel steht
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Der große Auszug

von Michael N. Ebertz vom 24.09.2015
Aus Publik-Forum 18/2015: Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik traten so viele Menschen aus der Kirche aus wie im vergangenen Jahr. Anmerkungen zu einer dramatischen Entwicklung von Michael N. Ebertz. Unsere Titelgeschichte
Die Kirche: Hoch oben und fernab des wahren Lebens? Für immer mehr Menschen hat sie keine prägende Kraft mehr. (Foto: Tec Petaja/Corbis)
Die Kirche: Hoch oben und fernab des wahren Lebens? Für immer mehr Menschen hat sie keine prägende Kraft mehr. (Foto: Tec Petaja/Corbis)

Schon 1971 notierte der mittlerweile verstorbene Münsteraner Sozialethiker Franz Groner zu den Austrittszahlen aus der katholischen Kirche: »Das Erschreckende ist die vollständige Kontinuierlichkeit in dem rückläufigen Trend.« Groner sah die immer kleiner werdenden Anteile der regelmäßigen Gottesdienstteilnehmer. 1954 waren es 49,2 Prozent, 1964 43,4 Prozent und 1969 immerhin noch 39,2 Prozent. Man könne es sich »leicht ausrechnen, wie viele Katholiken an der sonntäglichen Eucharistiefeier teilnehmen werden in zehn, zwanzig, dreißig Jahren, wenn die Entwicklung so weitergeht«, meinte Groner. Tatsächlich sind seine Befürchtungen noch übertroffen worden: 2014 lag der Sonntagsgottesdienstbesuch in vielen Bistümern unter zehn Prozent. Doch die Deutsche Bischofskonferenz kommentierte lediglich, dass sich »immer noch eine große Zahl von Menschen Sonntag für Sonntag in Bewegung« setze; »eine Zahl, die sich neben Teilnehmerzahlen sonstiger Veranstaltungen wie Sport oder Museumsbesuch sehen lassen kann«.

Auffällig ist, dass sich die Bischöfe anscheinend nicht einmal fragen, wer sich da sonntags in Bewegung setzt und wer nicht – 2012 waren dies vier Prozent der 16- bis 29-jährigen Katholiken und ein Prozent der gleichaltrigen Evangelischen. Ihnen gegenüber stehen zehnmal so viele Senioren sechzig plus, auf evangelischer Seite sogar 15-mal so viele. Diese Altersstruktur ist nicht nur deswegen ein Problem, weil die Gottesdienstbesucher auf Dauer kaum »Nachwuchs« erhalten, sondern weil die Überalterung auch die Gestaltung der Gottesdienste und das Empfinden der Jüngeren prägt, die den Eindruck haben, einer Seniorenveranstaltung beizuwohnen. Trotz einer starken Infrastruktur und hohem Personaleinsatz – vom Religionsunterricht bis zu den

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