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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2015
Der große Auszug
Kirchenaustritte: Was jetzt auf dem Spiel steht
Der Inhalt:

»Wir haben viel zu bieten«

von Thomas Seiterich vom 25.09.2015
Was kann man gegen den Trend zum Kirchenaustritt tun? Fragen an den badischen Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh

Publik-Forum: Um etwa 410 000 Menschen schrumpfte im letzten Jahr die Evangelische Kirche in Deutschland. Rund 240 000 Protestanten sind ausgetreten, bei den Katholiken an die 220 000. Schockiert Sie das?

Jochen Cornelius-Bundschuh: Einen Schock löst das nicht aus, doch wir sind traurig und besorgt. Mein erster Blick gilt den Menschen, die austreten und sich damit von Wurzeln abschneiden. Denn ich denke, der Glaube ist etwas, was für die Menschen zentral ist und ihr Leben stärken, befruchten, ermutigen und trösten kann. Wer dem gemeinschaftlich gelebten Glauben in der Kirche Ade sagt, dem geht ein Miteinander, eine Gemeinschaft verloren, in der der Einzelne sein Leben und Dasein deuten kann. An die Leerstelle tritt zumeist nichts. Es bleibt der Daseinshorizont von Fernsehen und medial vermittelter Kommunikation. Das bildet dann den Orientierungspunkt – und das ist für ein menschlich reiches Leben nicht genug. Kurz: Ich bin überzeugt, dass die Kirche viel zu bieten hat. Wer austritt, wird einsamer. Er oder sie erleidet einen Verlust.

Was wissen Sie über die Menschen, die aus der Kirche austreten?

Cornelius-Bundschuh: Die Austritte erfolgen eher in den Jahren der frühen Berufstätigkeit, noch vor der Familienphase ...

Wenn auf das Häusle gespart wird ...

Cornelius-Bundschuh: ... oder noch vorher, wenn die ersten, richtigen Gehälter eingehen und man merkt, wie viel die Kirche kostet. Danach kommen klassische Situationen wie die Familiengründungszeit, in der die Kirchenbindung eher hoch ist. Da treten dann nicht wenige wieder ein. Insgesamt haben wir in normalen Jahren rund 1500 Wiedereintritte – bei 8000 Austritten. Die Eintritte sind bei uns weit höher als in unserer katholischen Schwesterkirche. Was die Austritte betrifft, so teilen wir beide die Empörungsfolgen von kirchlichen Skandalen – wenn durch Missbrauchsverbrechen oder Limburger Badewannen die Austrittszahlen bei uns wie bei den Katholiken emporschnellen. Die Menschen differenzieren nur noch wenig nach Konfession. Sogar etwas Unerfreuliches wie die Austritte zeigt uns, wie stark und selbstverständlich die Ökumene mittlerweile ist: Wir Evangelischen und Katholischen sind miteinander unterwegs und wir werden durch die Austritte füreinander haftbar gemacht. Wir sind beide verbesse

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