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Der Frosch und die Blumen der Hoffnung

vom 03.05.2020
von Gerhard Engbarth, Bad Sobernheim
Der Frosch ist froh: Die Blumen der Hoffnung wachsen und der Hoffnungs-Blumenkasten wiegt schon wieder ein bisschen mehr als Tags zuvor
(Foto: Alexandra Ochmanee)
Der Frosch ist froh: Die Blumen der Hoffnung wachsen und der Hoffnungs-Blumenkasten wiegt schon wieder ein bisschen mehr als Tags zuvor (Foto: Alexandra Ochmanee)

»Guten Morgen«, sagte der Frosch.

»Guten Morgen«, antwortete Sonja vom Blumenhaus Sonnenblume, »was kann ich für Sie tun?«

»Einen Strauß Hoffnungsblumen bitte«, sagte der Frosch, »die will ich meinem Freund Christian schenken, weil er solche Angst wegen Corona hat.«

»Ich habe leider keine Hoffnungsblumen da«, sagte Sonja.

Der Frosch ließ den Kopf hängen: »Oooch, wie schade.«

»Warten Sie, nicht traurig sein. Ich werde meine Lieferanten anrufen. Vielleicht haben die welche.« Sie tippte eine Nummer in ihr Handy, sprach und schüttelte dann den Kopf: »Leider nichts. Probieren wir’s beim Nächsten«. Doch auch er und alle anderen hatten keine Hoffnungsblumen.

»Nun bleibt uns nur noch der Herr Brummer«, meinte sie, rief ihn an und trug ihr Anliegen vor.

»Auch er hat keine am Lager, doch er hat noch jede Menge Tüten mit Samen, die er Freitag liefern könnte. Soll er?«

»Au ja, bitte!«, sagte der Frosch, »Freitag ist übermorgen, das heißt nur noch vier Mal schlafen.«

»Vier Mal?«

»Ich mache immer zwei Stunden Schönheitsschlaf nach dem Mittagessen. Bis übermorgen ist das vier Mal schlafen.«

»Ich verstehe«, meinte Sonja, »Ihr Schönheitsschlaf.«

»Das sieht man ja wohl, wenn man mich anschaut«, meinte der Frosch. Von nichts kommt nichts.«

»Das sieht man auf den ersten Blick«, antwortete sie, »Herr Brummer bat mich noch, Ihnen etwas auszurichten.«

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»Ich bitte darum«, meinte der Frosch.

»Er sagte: ›Hoffnungsblumen taugen nicht für Großkulturen in Gewächshäusern. Man kann sie nur im eigenen Garten aussäen, muss sie regelmäßig gießen, düngen und vor Frost schützen. Wenn sie dann blühen, kann man sie zu Sträußen binden oder in Schalen umtopfen und verschenken.‹«

Hatte der Frosch die ganze Zeit konzentriert zugehört, so ließ er nun den Kopf hängen: »Ich habe keinen Garten, nur meine Wohnung.«

»Haben Sie vielleicht einen Blumenkasten?«

Er nickte: »Einen Blumenkasten habe ich, sogar aus Gusseisen, von meiner Oma Ilse. Vater hat immer gesagt, Oma Ilse sei auch aus Gusseisen.«

»Na also, wer sagt’s denn. Dann bringen Sie am Freitag Ihren Blumenkasten mit, wir füllen ihn mit Muttererde, und Sie säen die Hoffnungssamen darin aus.«

Nun leuchteten die Augen des Frosches wieder: »Und was kosten Samen und Erde?«

Sonja lachte: »Die Erde schenke ich Ihnen, weil Sie ein so netter Herr Frosch sind. Und Herr Brummer meinte zum Preis der Samen, sie seien so unbezahlbar teuer, dass man sie für Geld nicht kaufen könne, und deshalb wolle er sie Ihnen schenken, weil Sie die Blumen ja wiederum weiterschenken, um Hoffnung in der Welt zu verbreiten.«

»Jawohl, das tue ich«, rief der Frosch. »Hoffnung verbreiten ist in diesen Tagen so wichtig wie Mund-Nase-Schutzmasken, vielleicht sogar noch wichtiger.«

Sonja lächelte, und als ich dazukam, fragte ich: »Ob ich wohl auch ein Päckchen Hoffnungssamen haben könnte?«

»Aber sicher doch, Herr Nachbar«, antwortete Sonja.

Mein Rat an Sie, liebe Leser: Wenn auch Sie Sonja um Hoffnungssamen bitten möchten, dann tun Sie das. Sie wird bestimmt nicht nein sagen.

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Alle Beiträge des Erzählprojektes »Die Liebe in Zeiten von Corona«

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Alex Sachs
15.05.202012:23
Wie immer eine herrlich schön erfrischende Geschid´ in der aktuell angespannten Zeit... DANKE